Der Ausflug

Der Tag erwacht, das Bienchen auch
Aus leichtem Bienenschlummer,
Fliegt auf den nächsten Blütenstrauch,
Bar jeder Art von Kummer.

Sie schaut beschwingt ins Morgenrot,
Und streckt sich ihre Glieder,
Fliegt ohne Sorgen, ohne Not
Vergnüglich auf und nieder.

Sie saust den halben Vormittag
Durch ihre Blumenwiese,
Schlägt Purzelbäume, wie sie’s mag,
In warmer Sommerbrise.

Und wie sie hoch am Himmel fliegt,
Sieht sie in weiter Ferne,
Wie Nachbarswiese strahlend liegt:
Da möcht‘ sie hin, so gerne!

Zwar hat die eig’ne Wiese auch
ganz wunderbare Ecken,
Wo einlädt mancher Baum und Strauch
Zum Spielen und Verstecken.

Doch ach, es scheint das ferne Grün
Viel schöner, heller, besser;
Die Blumen dort viel bunter blüh‘n,
Viel saub‘rer die Gewässer.

Sie sieht verstohlen um sich, doch
Die Chance, sie ist da;
Erst zögert sie ein bisschen noch,
Verboten hat’s Mama.

Doch ich, so denkt sie, will ja nur
ganz kurz mal rüber schauen,
Bin bis zum Mittag, bis 12 Uhr
Zurück in heim‘schen Auen.

Los geht’s! Mit Tempo, schnell, rasant
Fliegt Sie dem Ziel entgegen.
Sieht unter sich ein grünes Band:
Sie kennt der Wiese Segen.

Bald fliegt Sie über andres Land,
Kein Grund, sich aufzuregen.
Sieht unter sich ein braunes Band:
Sie kennt des Feldes Segen.

Dann fliegt Sie über fremdes Land
Und spürt den nahen Regen,
Sieht unter sich ein graues Band:
Und fragt verblüfft: Weswegen?

Ein graues Land? Was soll der Quatsch?
Wer hat denn solche Bleibe?
Sie fliegt und denkt: Was ist hier – PATSCH,
Fliegt vor ‘ne Windschutzscheibe.

Es fängt zu regnen an, ein Glück,
Rein wird die Luft und frischer,
Und Bienchen fliegt ein letztes Stück
Mithilfe Scheibenwischer.

Mama und auch Papa zu Haus
Ihr Bienchen lange suchen,
Die Mama weint tagein, tagaus,
Den Papa hört man fluchen.

Und die Moral von der Geschicht‘?
Die ist schon lange da.
Ganz oft liegt fern das Gute nicht,
Sehr oft ist es ganz nah.

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