Himmel

Warum nur bist du männlich?
Wie eine Frau, die anderen gefallen will,
ziehst du dir immer wieder neue Kleider an
aus Schleiern, Spitzenwerk und Pelz.
Das Schmücken brauchst du.
Du Himmel, männlich.

Und manchmal gehst du nackt –
wie heute, schamlos blau und rein…
Du Himmel, männlich.

Am Morgen kleidet dich ein Rosarot,
und geht der Tag vorbei, dann hüllst du dich in Feuerpracht.
Ein Abgesang schnell vor der Nacht…
Du Himmel, männlich.

Du hältst dich nicht an diese Regel,
dass Männer Schwäche zeigen, wenn sie weinen.
Du Himmel, männlich, lässt die Tränen zu.
Mal sacht und dauernd, mal stürmisch aufgewühlt.
Du Himmel, männlich.

Dein Sternenreigen lehrt mich Demut
in einer lauen Sommernacht.
Du Himmel, männlich.

Und bist du Blei, dann liegst du schwer auf meiner Seele,
Du Himmel, männlich.

2019

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