I. Braun (84)

Romantisches für Kinder: Die Kartoffelernte

Gen Süden ziehen Storch und Star.
Wir ziehen auch als Kinderschar,
mit Hacke, Korb und Spaten.
Verschlossen liegen Hof und Haus.
Heut‘ graben wir Kartoffeln aus
und die sind gut geraten.

Die Furchen entlang mit Hacke und Karst,
schnell in den Korb die kostbare Last.
Das Schütteln nicht vergessen.
Die Schale schwarz, das Innere weiß
gleich aus der Asche glühend heiß
sind Kartoffeln gut zu essen.

Darum am Ende dieses Tages
und zur Feier des Ertrages
wird ein Feuer angefacht.
Wir sitzen dann in froher Runde
heiße Kartoffeln in aller Munde
und wünschen allen gute Nacht.

Irmgard Braun

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Romantisches für Kinder: Die Jahreszeiten

Was hat es zu bedeuten,
wenn Vögel kommen und bauen ihr Nest
und singen so hell und klar?
Wenn Veilchen dort im Garten sprießen,
dann ist der Frühling da.

Was hat es zu bedeuten,
wenn Schmetterlinge fliegen und Bienen summen laut
und Rosenduft macht ganz benommen?
Wenn eine Bank unter Bäumen träumt,
dann ist der Sommer gekommen.

Was hat es zu bedeuten,
wenn Kraniche gen Süden ziehn
und Nebel liegt im Tal?
Wenn Äpfel von den Bäumen fallen,
dann ist der Herbst schon da.

Was hat es zu bedeuten,
wenn Tage kürzer werden und Wasser im Bach gefriert
und Kälte macht beklommen?
Wenn Schnee die Felder weiß bedeckt,
dann ist der Winter gekommen.

Was hat es zu bedeuten,
wenn die Jahreszeiten kommen und gehen
und der Himmel ist mal dunkel und mal hell?
Die schönen, wundervollen Zeiten
vergehen viel zu schnell.

Irmgard Braun

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Romantisches für Kinder: Der Zauber der Zeit – eine kleine Geschichte

Die kleine Lia war erst sechs Jahre alt und wuchs wohlbehütet in ihrem Elternhaus abseits der großen Stadt auf. Eines Tages sagte sie ihrer Mutter, dass sie spazieren gehen möchte. Gesagt, getan.

Lia lief und lief und auf einmal stand sie auf einer wunderschönen Blumenwiese. Es blühten die blauen Kornblumen, der rote Mohn, die lila Glockenblumen, die weißen Margeriten und viele Blumen mehr.

Sie blieb stehen und bestaunte, was es alles zu sehen gab. Dort flogen bunte Schmetterlinge und hier krabbelten glitzernde Käfer. Es war wie im Märchen.

Nun musste sie aber weiter gehen, denn sie wollte noch mehr sehen. Noch ein paar Schritte und sie war im dunkelgrünen Wald. Der hatte es ihr besonders angetan. Hier sangen die Vögel so schöne Lieder. Ein kleines Häschen und ein Eichhörnchen huschten vorbei. Lia fand auch Heidelbeeren und die schmeckten ihr so gut. In der Ferne konnte sie noch ein Reh mit seinem Kitz beobachten.

Nun fiel ihr aber ein, dass sie schon so lange unterwegs war und dass sie den Heimweg antreten musste. Ihre Eltern würden sich sicher schon Sorgen machen. Sie lief und lief und bald sah sie ihr Elternhaus in der Ferne. Ihre Mutter stand schon in der Tür und war froh, als Lia wieder zu Hause war.

Die Eltern wollten wissen, wo sie gewesen war. Und Lia erzählte, wie alles dort draußen so schön sei und ihre Eltern hörten ihr zu. Die Mutter sagte, du warst im Tannenwald, denn du hast Spinnenweben am Kleidchen und Tannennadeln im Haar. Das bringt nur mit, wer im Tannenwald war. Und Heidelbeeren hast du auch genascht, denn dein Mund ist noch ganz blau. Nun aber schnell zu Tisch, denn das Abendbrot wartet schon.

Die Mutter brachte sie später noch zu Bett und wünschte ihr noch schöne Träume.

Damals gab es noch keine Handys.

Irmgard Braun

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Romantisches für Kinder: Der Ball der Tiere

Ach geben wir doch einen Ball,
flötet froh die Nachtigall.
Darf ich auch zum Ball dazu?
Muhte laut die dicke Kuh.
Was werden wir denn trinken?
Kicherten die Finken.
Das ist doch klar, es gibt Bier.
Schnaubte feurig der schwarze Stier.
Aber bitte, lieber Tee.
Wisperte das zarte Reh.
Was werden wir denn speisen?
Zwitscherten die Meisen.
Delikat ist nur die Nudel.
Behauptete der weiße Pudel.
Tanzen wir auch in der Laube?
Gurrte heiter die blaue Taube.
Nein, natürlich nur im Haus.
Piepste eilends die graue Maus.
Wann ist der Ball zuende?
Schnatterte die Ente.
Da rümpften die Hasen die Nasen:
Bis jetzt nur leere Phrasen!
Hört auf mit dem Geschwafel
und setzt euch an die Tafel.
Frohsinn, der ist wichtig.
Dann wird der Ball auch richtig.

Irmgard Braun

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Der Frühling naht!

Der Amsel schönstes Lied erschallt,
über Felder, Wiesen und grünem Wald.
Schneeglöckchen, Märzenbecher und Krokusse blühn,
die Schwalben werden auch bald wieder heimwärts ziehn.

Wir warten noch ein Weilchen,
dann blühen wieder Flieder und Veilchen.
Der Rose süßer Duft kommt später,
denn den kennt wohl jeder.

Die schöne Zeit geht ach so schnell vorbei,
aber es wird auch wieder Mai.
Der Sommer lässt noch auf sich warten,
um dann richtig durchzustarten.

Du bist auch wie Blume, Baum und Strauch –
du blühst und verwelkst auch.

Irmgard Braun (Kittelsthal)

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