Literaturwettbewerb 2019

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Herbstsymbiose

Herbstblätter erklingen am Wegesrand
Bunte Vielfalt bewegt sich im Sterben
Verschmelzen mit Unrat zu einem Band
Ein langsames Verstummen im Werden

Sie fallen lautlos drehend nieder
Unbemerkt auf herbstlichen Fleck
Der Wind säuselt sanft seine Lieder
Bevor er sie mit Kraft fegt hinweg

So geht die Natur eine Ehe ein
Eine Symbiose im Vergehen
Leise singt ein Vogel sein Lied so fein
Hat die Sonne soeben gesehen

Karin Hotek

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Karibikurlaub

Leise dreht ein Windvogel seinen Flug
Weit schwingend mit der Möwe im Azur
Das glasklare Wasser spiegelt lieblich
Das Lachen der Menschen zum Himmel

Unscheinbar vereint sich Sonne und Meer
Kreisend zu einer grünblauen Masse
Wunderbar mit der Musik des Lebens
Verbinden sich träumend alle Sinne

Das Paradies erlaubt keine Trauer
Luftige Fröhlichkeit umschwebt das Sein
Während glücklich auf Zeit die Sonne scheint
Brennt schmerzlich das Salz auf gebräunter Haut

Karin Hotek

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Sachen gibt’s, die gibt’s gar nich – un doch

Es begab sich im August 2001 besser gesagt am 18ten abends so bei sechsen.

Wir hatten da auf der Alm einen, nejer sagen me ma mittelmäßigen Geschäftsgang und der Abend dämmerte so allmählich über dn Wald, ein paar Gäste hatten noch ihren Spaß.

Da geht de Tür auf un es kommt en Bekannter von mir mit seiner Frau und unschwer zu erkennen wohl Schwiegersohn, Tochter und zwei kleine Qixer (Kinderchen).

Hallo Langer – lange nich gesehn, wir wollten mal bei Euch Abendbrot machen un außerdem wollt ich meinem Schwiegersohn ma deine Alm zeigen. Ja grüßt Euch und das übliche Prozetere – der Schwiegersohn schien sehr interessiert und grüßte mit Grüß Gott. Am Slang unschwer e Bayer oder so. Nun dies und jenes, wir kannten uns aus jagdlichem Miteinander, Bestellung und so fort. Der Schwiegersohn war in gediegener Tracht, sein Weibel au un de Keng au eaweng so. Auf einma musste er mal zur Toilette worauf die Gunst nutzte und meinen Freund nach der Herkunft des jungen Mannes fragte.

Ja sagte der, iss en Bayer aus eso en ganz kleinen Nest in der Nähe vom Chiemsee. So sag ich, in der Nähe vom Chiemsee – von wo en nun da. Aoch, bloß en kleines Dörfchen bei Aschau. Oh, denk ich, Dörfchen bei Aschau – wie heißtn das Nest?

Sachrang sagt der, ich sag, was Sachehang, da wo der Müllner Peter her stammt?

Mein Freund wußt erseht ma nüscht mit dem Kerln anzufangen.

Indes kam der Schwiegersohn vom Abtritt – sichtlich gelöst, hockt sich hin un ich gleich dran. Du, sag ich biste Bayer – er, ja – ich, von Sachrang, er – ja was weistn Du.

Ja, sag ich, ich hab da en Buch über den Müllner Peter un en Film dazu hab ich me au angeguckt. Also, sagt er – was weistn Du da – mit dem Film das weis ich au aber e Buch gibt’s da nich, das müßt ich wissen. Ich rum, das Buch geholt da hat den fast der Schlag gerührt. Dös gibt’s ja net, dös woaß i nit eamal. In dem Haus, im Müllner sein Bett bin ich geboren das Grundstück gehört ja meiner Familie.

Nun muß man verstehen, Müllner Peter war ein ganz besonderer Mensch dort.

Er war Doktor, er war Komponist, er war der Pflanzenwelt und derer Nutzung mächtig, war Müller, Musikant und vielfältiger Gelehrter um 1800 herum, eventuell vergleichbar mit unserem Siewicher Johannes Dicel. Nur haben die Bayern besser aufgepasst und ihre Geschicht tiefgründig in die Neuzeit getragen.

Also, nun wars passiert, das Unglaubliche.

Die kommen auf de Alm zu Besuch un ich kenn en Gutteil der Geschichte vom Schwiegersohn.

S kommt noch besser.

Der, das Buch her un nein geguckt und entdeckt tatsächlich das Bett in dem er geboren wurde, völlig aufgelöst sagt er noch – un dao haot no ea oida Bauernschrank gestandn, dao woarn meine Windln drinnen worauf ich sag: Schau auf die Rückseite, da iss au der Schrank.

Ich hab gedacht, der Mann kriegten Feitstanz, völlig aufgelöst, überfordert aus der Situation den Tränen nahe.

Was soll ich sagen: Volksmusik hat er auch noch gemacht, das war wie der A… aufm Eimer, wir sind uns heut noch gut und besuchen uns ab und an.

Iss das nich der Hammer?

Das war „Wiedervereinigung“ von Feinsten.

Euer Geißalmwirt

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Adonisröschen

Schau welch ein herrlicher Frühlingstag
mit weißen Wölkchen im schimmernden Blau.
Froh wandere ich durch Busch und Hag,
damit mein Aug den Lenz erschau.

Und wirklich, die Sonne lockt alles hervor.
Adonisröschen, so zart und fein.
die gelben Blütenköpfchen im Chor
stimmen ins Frühlingslied mit ein.

Die Blütenkronen in seidigem Glanz,
hin zum Licht öffnen sie sich weit.
Sie sind der Sonne zugewandt
zu jeder Tageszeit.

Die römische Göttersage erzählt,
dass Adonis, ein Jüngling mit seidigem Haar.
Frau Venus hatte ihn auserwählt,
ihr ganz besonderer Liebling war.

Der Kriegsgott, Zorn und Eifersucht im Sinn,
ließ ihn durch einen wilden Eber sterben.
Die trauernde Göttin aber verwandelt ihn
in die leuchtende Blume zu neuem Leben.

Gerda Quentel

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Milseburg

In meiner Jugend habe ich
zum ersten Mal
Dich, schöner Berg,
erwandert und erstiegen.
Ich schaut‘ und schaute dazumal
und sah ringsum in großer Zahl
die Berge und die Dörfer liegen.

Ein Felsenberg, so schroff und
wie ein Sarkophag, in sanfter
Landschaft türmt er sich empor.
So manche Sage spann sich Jahr
und Tag, vom Riesen Mils,
der darin begraben lag.
Die Phantasie der Röhner
brachte das hervor.

Dann war ich viele Jahre nah
und doch so fern, denn eine
Grenze trennte unser Land.
Ich träumt hinüber, wäre doch so
gern gewandert unter meinem
guten Stern, hinauf zum Berg,
der mir so wohl bekannt.

Nun hat sich mir der Wunsch
erfüllt und Jahr für Jahr besteig
ich, schöner Berg dich wieder.
Ich wandre, dass sich meine
Sehnsucht stillt und mir der
frische Wind die Schläfen
kühlt und sing‘ mit
Kameraden frohe Lieder.

Gerda Quentel

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