Weichen stellen

Jeden Tag das Gleiche machen,
jeden Tag dieselben Sachen,
immer über alles wachen,
niemals Euphorie entfachen.

Wie ein Punkt in großer Menge,
blieb gefangen in der Enge
und verloren im Gedränge,
wie ein Lied voll stummer Klänge.

Ich sah dunkelste Kolosse
stets nach außen hin verschlossen,
sah wie Einsamkeit die Wege stopft.
„Was will ich hier?“, drang in meinen Kopf.

Alltag wog so schwer wie Blei,
doch ich dachte, Gedanken sind frei?!

Um mich rum nur Fragezeichen
fragten mich: „Wohin entweichen?“
„Ausweg!“ war der Ruf zur Tat.
Ausweg war, worum ich bat.

Da blieb ich stehen in der Masse,
formte meine eigne Gasse.
Ich verließ sie, die Unendlichkeit,
doch der Weg danach schien schwer und weit.

Rannte weg von alten Lügen,
die mich nochmal neu betrügen,
über Wägen ohne Räder,
mein einziger Freund die weiße Feder.

Alltag wog so schwer wie Blei,
doch ich wusste, Gedanken sind frei!

Wollte tanzen einen Reigen
und nicht nur die Ruhe anschweigen,
die Liebe erleben
und mich nicht der Angst ergeben.

Wollte Berge bezwingen
und auch mit Tränen ringen,
vielleicht sogar vor Kälte frieren,
doch niemals wieder die Freude verlieren.

Und jetzt?

Nun, jetzt schau ich mich im Spiegel an,
seh‘ ein Mädchen, das alles schaffen kann.
Es blickt nach vorn und nicht zurück,
denkt an morgen, denkt an Glück.

Von Viktoria Hennlein

155

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.