Der Körper lügt nicht!

Wie fast jedes Jahr im Mai haben wir einige Tage im Böhmerwald in Tschechien verbracht. Immer wieder fasziniert uns die urige Landschaft und die Gastfreundschaft der Menschen. Besonders schön war in diesem Jahr, dass unsere Freunde mal wieder Zeit hatten, mit uns zu wandern. So legten wir einige Kilometer zurück und tranken natürlich auch das ein oder andere Bierchen. Es war einfach schön, oder, wie der beste Freund meines Mannes sagte: „Fast wie Urlaub!“

Ich merkte aber auch, dass ich nicht gerade in Bestform bin und nahm mir vor, doch mal was zu tun, man wird ja auch nicht jünger und nächstes Jahr werde ich 50! In der darauffolgenden Woche nahm mich Susanne mit zum Sport. Nichts Wildes, einfach ein bisschen bewegen.
Ich musst ganz schön schnaufen, was mich aber nur darin bestärkte, am Ball zu bleiben. Am darauffolgenden Wochenende waren wir zur Geburtstagsnachfeier im Garten eingeladen. Auf dem Weg dorthin verspürte ich plötzlich wieder dieses Stechen zwischen den Schulterblättern, gleichzeitig hatte ich wie einen Krampf den Kehlkopf runter in die Brust. Nach einigen Minuten war alles wieder vorbei. Ich hatte das schon einmal vor 3 Jahren. Damals hatte man einen leichten Bandscheibenvorfall im Lendenwirbelbereich festgestellt. Na ja, mal abwarten, wir hatten dann noch eine sehr schöne Feier. In den nächsten Tagen häuften sich diese Schmerzattacken und ich ging zum Arzt. Ich wurde „krankgeschrieben“ und ein MRT zeigte einige Tage später, dass meine Wirbelsäule recht starke Abnutzungserscheinungen hat und auch kleine Bandscheibenvorfälle bestanden. Trotz Medikamenten, es wurde nicht besser. Inzwischen konnte ich auch nicht mehr liegen, gerade bei Ruhe wurde es besonders schlimm. Als mein Mann am nächsten Morgen von der Nachtschicht kam fuhren wir ins Krankenhaus in die Notaufnahme. Ich wurde stationär aufgenommen, um eine Schmerztherapie durch zu führen. Nach 4 Tagen wurde ich wieder entlassen und es ging mir recht gut.

Doch ich hatte mich zu früh gefreut, bereits nach 2 Tagen ging alles von vorne los. Ich bekam von der Hausärztin Spritzen und wieder Medikamente, nichts half! Hinzu kam jetzt die Panik, ich spürte, das ist keine Kleinigkeit! Wir landeten wieder in der Notaufnahme. Dort gab man mir den Tipp, noch einmal eine Schmerztherapie oder ich sollte doch den Hausarzt wechseln! Ich fühlte mich absolut nicht ernst genommen, das kann doch nicht sein, ich spürte doch, dass etwas Schlimmes mit mir passiert! Inzwischen war ich bei Opiaten gelandet, aber besser ging es mir nicht. Ich erkannte mich selbst nicht wieder, von meiner Stärke war nichts mehr da, ich war nur noch ein jammerndes Häufchen Elend. Wir sind selbst bis nach Fulda in die Notaufnahme, da wir uns nicht anders zu helfen wussten, denn hier wurde ich ja nicht ernst genommen.

Die Ärzte dort waren völlig überlastet, ich sollte eigentlich dortbleiben, da irgendwelche Werte nicht der Norm entsprachen. Da aber kein Zimmer frei war, hätte ich die Nacht auf dem Gang verbringen müssen, da hat mich mein Mann doch lieber mit nach Hause genommen. Am nächsten Tag hatten wir einen Termin bei einem Spezialisten für Wirbelsäulenerkrankungen in Fulda. Er war mit der Qualität der MRT-Aufnahmen aus Eisenach nicht zufrieden und es sollten neue gemacht werden. Da aber das Gerät gerade kaputt war, bekam ich einen neuen Termin erst in vier Wochen. Ich brach in Tränen aus, ich konnte mir nicht vorstellen, wie ich diese Wochen überstehen sollte.

Inzwischen waren wir innerhalb von circa 3 Wochen 8-mal in Notaufnahme bzw. beim hausärztlichen Notdienst in 4 verschiedenen Krankenhäusern, die Besuche beim oder durch den Hausarzt gar nicht mitgezählt. Ich hatte das Gefühl man glaubt mir nicht, aber die Schmerzen waren da und ich hatte das Gefühl, das meine Uhr tickt. Ich bin sonst nicht so hysterisch oder gar wehleidig! Was sollte ich bloß tun?

Die nächste Schmerzattacken führte uns nach Meiningen. Dort wurde ich wieder mal mit Verdacht auf Bandscheibenvorfall stationär aufgenommen. Die ersten Tage passierte nicht viel, da auch hier das MRT defekt war. Als dann eine Aufnahme gemacht wurde stellte man schnell fest, dass kein Bandscheibenvorfall vorlag. Freudestrahlend verkündete mir der Professor, dass ich nach Hause könnte. Ich sagte ihm, dass ich erst letzte Nacht wieder eine Attacke hatte und nach der Schwester geklingelt habe. Er hat mich dann darauf hingewiesen, dass ich mit einer anderen Verdachtsdiagnose wieder als neuer Patient aufgenommen werden müsste. Ich spürte, wenn ich mich jetzt wegschicken lasse, dann passiert was Schlimmes. Ich sagte ihm, dass ich nicht die Absicht habe das Krankenhaus zu verlassen bis ich endlich weiß, was mit mir los ist und er solle doch eine Neuaufnahme veranlassen.

Eine Stunde später wurde ich auf die Nachbarstation verlegt und eine junge Ärztin führte mit mir wieder mal ein Aufnahmegespräch. Und wieder erzählte ich von meinem Vater, der mit 47 Jahren an einen Herzinfarkt gestorben ist und verschwieg auch nicht, dass ich durch die vielen Tage, die ich mich jetzt gequält habe zum sehr starken Raucher geworden bin! Die Ärztin war alarmiert und schickte mich gleich zu einer entsprechenden Kollegin und für den nächsten Tag wurde eine Herzkatheteruntersuchung angeordnet. Ich wusste, dass ich dann 24 Stunden nicht rauchen darf, da ich mit einem Druckverband im Bett liegen muss. Das es meine letzte Zigarette werden wird, habe ich da noch nicht geahnt!

Am nächsten Morgen wurde ich ganz früh vorbereitet und zur Untersuchung gefahren. Ich hatte eigentlich keine Angst, ich war viel mehr froh, dass nun etwas passiert! Nach nur 5 Minuten wurde es hektisch, der Katheder wurde rausgezogen und die Untersuchung beendet. Der Arzt war am Telefonieren und die Schwestern rannten hin und her. Endlich kam der Arzt zu mir, was er mir zu sagen hatte, zog mir den Boden unter Füßen weg:

„Wir mussten die Untersuchung abbrechen, da ihre Adern zum Herzen verstopft sind. Stents sind nicht mehr möglich, es muss eine Operation am offenen Herzen erfolgen, bei der Ihnen drei Bypässe eingesetzt werden!“

Dann hielt mir die Schwester das Telefon ans Ohr, am anderen Ende war mein Mann! Was sollte ich sagen: „Schatz ich weiß nicht ob wir uns wiedersehen, die fliegen mich jetzt mit den Hubschrauber nach Bad Neustadt zur Herzoperation!“

Irgendwie habe ich es doch geschafft mit ihm zu sprechen und mir war eins klar, wenn du das überlebst, dann wird alles anders! Als erstes kommen die Kippen weg… Verdammt, ich bin nicht einmal 50, ich will doch noch leben!

Es ging dann alles sehr schnell. Leider habe ich von dem Flug nicht sehr viel mitbekommen, aber auf den tollen Blick auf die Klinik hat mich der Notarzt aufmerksam gemacht! In Bad Neustadt wurde ich von einem sehr verständnisvollen Team in Empfang genommen und am nächsten Morgen gleich operiert! In der darauffolgenden Nacht kam ein grün vermummter Mann an mein Bett und hielt mir ein Telefon an mein Ohr. Ich hörte die schönsten Worte meines Lebens: „Hallo Hase…“

Das ist jetzt fast 6 Jahre her und mir geht es prima. Mit dem Hubschrauberflug begann für mich ein neues Leben! Hätte ich nicht auf meinen Körper gehört und darauf bestanden im Krankenhaus zu bleiben wäre ich heute nicht mehr am Leben, sondern schon lange bei meinem Vater! Und bevor ich es vergesse, ich habe nie wieder geraucht, mache viel Sport und achte auf meine Ernährung, gemeinsam mit meinen Mann!

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