Gedicht
Das letzte Gewand
Da liegt der Baum des Lebens,
gefällt am Wegesrand,
vergehend in der Erde,
aus der er einst entstand.
Vergleichbar mit unserem Leben,
was kommt und geht
und was einzigartig ist und bleibt,
ganz gleich ob man fällt oder steht.
Es grünt aus uns empor,
noch im letzten Gewand
und bleibt in dieser Zeit,
in dem Kind, das du in die Welt entsandt.
Drum sieh,
wie schön selbst der sterbende moosgrün bewachsene Baum,
er ist wie unser Leben,
ein wiederkehrender Traum.
Malu 18.02.2019
Lebensbaum
die Blätter fallen ab
wie die Jahre von unserem Leben –
im Frühling und im Sommer
da schien es noch Einhalt zu geben
im Herbst nun, wo das Leben alle Farben hat gemalt –
der Lebensbaum so herrlich strahlt
vom Grün der Jugend, vom Rot der Liebe,
vom Gelb der vielen Sommer-auf das die Liebe ewig bliebe
vom Weis des Schleiers am Traualtar
vom Blau und Rosa, wie der Kinder Schar
vom Purpur der verträumten Zeit
vom Braun – für Kummer und Herzeleid
vom Violett – für den Sonnenuntergang
und der Gewissheit, unser Leben ist nicht unendlich lang
da rauscht es in dem Lebensbaume
und alle Blätter fallen wie im Traume
und fallen und fallen
in unendliche Hallen
vorbei das bunte Leben
was es gerade noch gegeben –
schwarz ist die Erde –
was bleibt ist die Gewissheit,
dass es Frühling wieder werde
Mein Geliebter
Mehr als vier Jahrzehnte Lebenszeit hatte ich überschritten,
habe gelacht, geweint, gelebt und gelitten.
Da sah ich ihn, er war so unbeschreiblich schön –
konnte nicht widerstehen und es war um mich geschehn.
Durch ihn fühlte ich mich wieder jung, schön und begehrt,
er hat mich wieder lieben lachen und leben gelehrt.
Gemeinsam haben wir uns die Welt angesehen
und die Menschen blieben lächelnd und bewundernd stehen.
Und nichts und niemand kann uns trennen,
auch wenn sie mich neben dir, alte Schachtel nennen.
Nein, es stört mich wirklich nicht –
und nach all den Jahren zauberst du noch immer ein Lächeln auf mein Gesicht.
Du begleitest mich und meine Haare wehen im Wind,
mit dir bin ich ein glückliches Menschenkind.
Niemals kann ich von dir lassen –
mein Herz jauchzt, bekomme ich deinen Schaltknüppel zu fassen.
Malu – 27.02.2017
Was wir vor 30 Jahren erlebten
Vor dreißig Jahren, so lange her,
hieß unser Teil Deutschlands DDR.
Die Kinder waren fünf und acht
und haben uns viel Spaß gemacht.
Wir wohnten schön im Block am Wald,
ich machte meinen Meister bald,
neben der Arbeit im Kosmetiksalon,
manchmal träumte ich nachts davon.
Roland war ein Diplomingenieur
und konstruierte Maschinen, das war manchmal schwer,
denn oft war geeignetes Material nicht vorhanden,
doch die pfiffigen Ingenieure etwas erfanden.
Viele Kinder gab es im Ort,
Kindergärten, Schule und Hort,
zum Spielen fanden sie schöne Stellen,
den Molcheteich liebten die kleinen Gesellen.
Der Sommerurlaub war ein besonderer Hit,
wir nahmen Oma Christine mit,
denn Opa Gerhard lebte nicht mehr,
und allein zu verreisen, fiel ihr recht schwer.
In die Hohe Tatra sind wir geflogen,
wo wir Omas Stammquartier bezogen.
Solch weite Reise war für uns nicht normal
und die Kinder flogen zum 1. Mal.
Mit tschechischem Geld mussten wir sparsam sein,
die Umtauschmengen waren für uns ziemlich klein,
doch wir haben hohe Berge erklommen
und immer ein leckeres Süppchen bekommen.
Am Abend in unserem Ferienzimmer
sahen wir die Nachrichten immer.
Viele Menschen wollten die DDR verlassen
und wurden in die Prager Botschaft gelassen.
In den Westteil Deutschlands durfte man nicht einfach fahren,
die Grenzen waren zu, da konnte man noch so viel sparen.
Es gab auch noch ein paar andere Sachen,
um einem das Leben verdrießlich zu machen.
Wenn man zum Beispiel sagte, was man dachte,
war es möglich, daß einen ins Gefängnis dies brachte.
Wirtschaft und Umweltschutz waren ziemlich platt,
viele Dinge man nicht bekommen hat.
Doch im Herbst ’89 war es so weit,
viele Leute waren zum Protest bereit,
auf Straßen und Plätzen, im Kirchenraum
mit Liedern und Kerzen, statt zuzuhaun!
Auch aus Polen und der Sowjetunion
hörten wir manch neuen Ton.
Den Polen machte Solidarnosc Mut,
der Sowjetunion tat Herr Gorbatschow gut.
Wir zwei haben abwechselnd demonstriert,
das war heikel, weil man nicht wusste, was passiert,
ob Polizei und Armee uns gewähren ließen,
oder ob sie, wie in China, gleich auf uns schießen.
Der Druck auf die Regierung wurde schließlich so groß,
daß sie plötzlich Mauer und Grenzen aufschloss.
Es war zum Glück kein Schuss gefallen
und neue Zeiten blühten uns allen.
Wir waren begeistert und voller Freude,
es umarmten sich stockfremde Leute.
Wir hatten eine aufregende spannende Zeit,
die ganze Welt stand uns jetzt bereit.
Wir durften frei wählen und nicht nur zum Schein,
Demokratie zu gestalten, lud das Leben jetzt ein,
natürlich gab es auch schwierige Sachen,
Betriebe schlossen, das war nicht zum Lachen.
Auch Rolands Arbeitsstelle fiel weg,
er suchte sich einen neuen Zweck.
Jetzt rechnet er auch, nur im Kirchenamt,
wo eine neue Arbeit sich fand.
Uns geht es wirklich richtig gut,
doch manche Menschen haben Wut.
Wir sind so froh, in einem Rechtsstaat zu sein,
wo man frei lebt wie ein Waldvögelein.
Romantisches für Kinder: Die Jahreszeiten
Was hat es zu bedeuten,
wenn Vögel kommen und bauen ihr Nest
und singen so hell und klar?
Wenn Veilchen dort im Garten sprießen,
dann ist der Frühling da.
Was hat es zu bedeuten,
wenn Schmetterlinge fliegen und Bienen summen laut
und Rosenduft macht ganz benommen?
Wenn eine Bank unter Bäumen träumt,
dann ist der Sommer gekommen.
Was hat es zu bedeuten,
wenn Kraniche gen Süden ziehn
und Nebel liegt im Tal?
Wenn Äpfel von den Bäumen fallen,
dann ist der Herbst schon da.
Was hat es zu bedeuten,
wenn Tage kürzer werden und Wasser im Bach gefriert
und Kälte macht beklommen?
Wenn Schnee die Felder weiß bedeckt,
dann ist der Winter gekommen.
Was hat es zu bedeuten,
wenn die Jahreszeiten kommen und gehen
und der Himmel ist mal dunkel und mal hell?
Die schönen, wundervollen Zeiten
vergehen viel zu schnell.
Irmgard Braun
Romantisches für Kinder: Der Ball der Tiere
Ach geben wir doch einen Ball,
flötet froh die Nachtigall.
Darf ich auch zum Ball dazu?
Muhte laut die dicke Kuh.
Was werden wir denn trinken?
Kicherten die Finken.
Das ist doch klar, es gibt Bier.
Schnaubte feurig der schwarze Stier.
Aber bitte, lieber Tee.
Wisperte das zarte Reh.
Was werden wir denn speisen?
Zwitscherten die Meisen.
Delikat ist nur die Nudel.
Behauptete der weiße Pudel.
Tanzen wir auch in der Laube?
Gurrte heiter die blaue Taube.
Nein, natürlich nur im Haus.
Piepste eilends die graue Maus.
Wann ist der Ball zuende?
Schnatterte die Ente.
Da rümpften die Hasen die Nasen:
Bis jetzt nur leere Phrasen!
Hört auf mit dem Geschwafel
und setzt euch an die Tafel.
Frohsinn, der ist wichtig.
Dann wird der Ball auch richtig.
Irmgard Braun