Gedicht

2

An diesem Ort

Verweile an diesem Ort,
wo die Natur mit dir spricht.
Teile dein Lieblingswort,
wenn du alleine mit ihr bist.

Wie verstehst du den Stein,
was verrät die Sonne dir?
Warum redet Wind allein?
Zeige mir vom Mond die Tür.

In welcher Sprache singt,
der Wald sein Frühlings Lied?
Flussauf die Forelle springt
schön, wenn ein Adler fliegt.

Tausende Bäche und Seen,
reichen den Wolken die Hand.
Labend Regen ergeben,
aus Felsgestein wird Sand.

Tausende Sterne leuchten,
zeigen dir den Lebensweg.
In den Auen den feuchten,
Leben farbenfroh gesät.

1

Der Ausflug

Der Tag erwacht, das Bienchen auch
Aus leichtem Bienenschlummer,
Fliegt auf den nächsten Blütenstrauch,
Bar jeder Art von Kummer.

Sie schaut beschwingt ins Morgenrot,
Und streckt sich ihre Glieder,
Fliegt ohne Sorgen, ohne Not
Vergnüglich auf und nieder.

Sie saust den halben Vormittag
Durch ihre Blumenwiese,
Schlägt Purzelbäume, wie sie’s mag,
In warmer Sommerbrise.

Und wie sie hoch am Himmel fliegt,
Sieht sie in weiter Ferne,
Wie Nachbarswiese strahlend liegt:
Da möcht‘ sie hin, so gerne!

Zwar hat die eig’ne Wiese auch
ganz wunderbare Ecken,
Wo einlädt mancher Baum und Strauch
Zum Spielen und Verstecken.

Doch ach, es scheint das ferne Grün
Viel schöner, heller, besser;
Die Blumen dort viel bunter blüh‘n,
Viel saub‘rer die Gewässer.

Sie sieht verstohlen um sich, doch
Die Chance, sie ist da;
Erst zögert sie ein bisschen noch,
Verboten hat’s Mama.

Doch ich, so denkt sie, will ja nur
ganz kurz mal rüber schauen,
Bin bis zum Mittag, bis 12 Uhr
Zurück in heim‘schen Auen.

Los geht’s! Mit Tempo, schnell, rasant
Fliegt Sie dem Ziel entgegen.
Sieht unter sich ein grünes Band:
Sie kennt der Wiese Segen.

Bald fliegt Sie über andres Land,
Kein Grund, sich aufzuregen.
Sieht unter sich ein braunes Band:
Sie kennt des Feldes Segen.

Dann fliegt Sie über fremdes Land
Und spürt den nahen Regen,
Sieht unter sich ein graues Band:
Und fragt verblüfft: Weswegen?

Ein graues Land? Was soll der Quatsch?
Wer hat denn solche Bleibe?
Sie fliegt und denkt: Was ist hier – PATSCH,
Fliegt vor ‘ne Windschutzscheibe.

Es fängt zu regnen an, ein Glück,
Rein wird die Luft und frischer,
Und Bienchen fliegt ein letztes Stück
Mithilfe Scheibenwischer.

Mama und auch Papa zu Haus
Ihr Bienchen lange suchen,
Die Mama weint tagein, tagaus,
Den Papa hört man fluchen.

Und die Moral von der Geschicht‘?
Die ist schon lange da.
Ganz oft liegt fern das Gute nicht,
Sehr oft ist es ganz nah.

15

An mein Kind

Der Tag, die Nacht, der Tag, die Nacht,
Ganz still gingen die Stunden;
Man hat geklagt und hat gelacht,
War krank um zu gesunden.

Das Leben, es war leicht und nett
Auf meist geraden Wegen,
Es war ein Fluss im sanften Bett,
Fast frei von Schicksalsschlägen.

Doch irgendwann wuchs Sehnsucht leis‘
In uns und wurde stärker,
Zu enden der Gewohnheit Kreis
Und der Routine Kerker.

Dann kam der Tag, die Stille brach,
Und eine Stimme, heiter,
Zum ersten Male von Dir sprach.
Und sprach lang in uns weiter.

Von Dir! Wer bist Du? Wer sind wir?
Und wirst Du mit uns gehen?
Was wünschen, hoffen wir von dir?
Und kannst Du uns verstehen?

Doch Tag für Tag wuchs Zuversicht,
Wuchs ahnungsvolles Hoffen;
Erwartungsfroher Liebe Licht
Hielt unser Herz weit offen.

Und nah der stillen, heil’gen Zeit,
Natur lag wie erfroren;
Ein Innehalten weit und breit,
Da wurdest Du geboren.

Doch Du, mein Junge, bist nicht still,
Bist lebhaft, fröhlich, heiter;
Und wenn ich ruhig stehen will
Dann willst Du meistens weiter.

Du bist kein Kinderwagenkind,
Lässt schieben Dich nicht gerne,
Auf eignen Füßen, ganz geschwind,
Geht’s in die weite Ferne.

Willst hören, schmecken, fühlen, sehn,
Die Welt um Dich entdecken;
Vom Drang, die Dinge zu verstehn,
Kann niemand dich verschrecken.

Kennst Lüge nicht noch Hintersinn,
Spielst ehrlich Deine Spiele;
Auch nicht nach Nutzen und Gewinn
Verfolgst Du Deine Ziele.

Du lässt von Äußerlichem nicht
In Deinem Tun Dich leiten,
Nur wahres, inneres Gewicht
Kann Deinen Weg bereiten.

Mitunter eigensinnig, stur,
Der Laune eingegeben,
Machst Du so manches einfach nur
Um Widerspruch zu leben.

Oft albern, voller Firlefanz,
Schleichst leis‘ Du wie ein Tiger,
Tanzt gern mit Hoppelhase Hans,
Bist Eiswettessen-Sieger.

Spielst Teddy, Dino, Pittiplatsch
Und manchmal auch Tornado,
In nassen Pfützen voller Matsch
Da liegt Dein Eldorado.

Doch ist nicht immer Spiel und Spaß,
Nicht Freude nur bei Dir,
Dann bist Du krank, bist matt und blass,
Und mit Dir leiden wir.

Du zeigst uns an mit jedem Schritt
Wohin Du möchtest gehen.
Und wir? Wir kommen manchmal mit
Und bleiben manchmal stehen.

Doch was auch immer kommen mag:
Wir sind bei Dir an jedem Tag
Und werden’s immer sein.
Vertrauensvoll siehst du uns an,
Umarmst uns mit den Blicken dann:
Nie bist Du ganz allein.

12

Dort will ich hin

Wo kleine Dinge von Bedeutung sind.
Plötzlich fühl‘ ich mich wie ein Kind.

Sagen von Elfen und Feen wecken die Euphorie,
Ich bin wie gefesselt von dieser Magie.

Am Hafen die Fischer und Handelsleut‘,
Das ist es, was mein Herz erfreut.

Um die nächste Ecke ein kleiner Laden,
Viel Einheimisches gibt es dort zu haben.

Meine Gedanken kreisen um diesen Ort,
Ich möchte‘ nun schon lange fort.

Endlich hinaus, die Freiheit spüren,
Zu Abenteuern lass‘ ich mich verführen.

Ein, zwei Fotos mit der Kamera,
Noch nie war ich mir selbst so nah.

So unberührt, geh‘ nur ein Stück,
In der Natur find‘ ich mein Glück.

Über Wiesen, Berge und Vulkangestein,
Nirgends kann es schöner sein.

Schimmernde Wasserfälle so kalt und klar,
Ein Farbenspiel wie ich’s selten sah‘.

Riesige Gletscher strahlen in der Frühlingssonne,
Für Träumer und Denker welch‘ eine Wonne.

Zur Ruhe kommen, die Stille genießen,
Zusehen wie tausende Blümlein sprießen.

An rauen Tagen streift er durch mein Haar,
Der Wind, die See so wunderbar.

Mitten im Wald ein kleines Haus,
Nordlichter sieht man vom Dachfenster aus.

Meine Seele sehnt sich nach dieser Welt,
Ob es mir dort wirklich gefällt?

Gewiss, wünsch‘ ich mir diese Reise,
Ein Ausflug ins Land aus Feuer und Eise.

Ich weiß genau ich brauch‘ diese Pause,
Und vielleicht find‘ ich dort mein neues Zuhause.

109

Ich sah sie noch

Deine helfende Hand,
deine Haare im Wind.
Deine Spuren im Sand,
deine Tochter als Kind.

Deine Villa am Meer,
deine hübsche Frau.
Deine Liebe weither,
den Ozean in Blau.

Deine Bothe auf See,
die Fische im Netz.
Deine Wunde oh weh,
dein Herz verletzt.

Ich sah auch noch
wie Engel halfen.
Dann sah ich schon
Feen und Elfen.

Spürte deinen Schmerz,
sah Friedhofs Blumen.
Ich sah dein Herz –
nun für immer ruhen.

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