G. Quentel (91)

Adonisröschen

Schau welch ein herrlicher Frühlingstag
mit weißen Wölkchen im schimmernden Blau.
Froh wandere ich durch Busch und Hag,
damit mein Aug den Lenz erschau.

Und wirklich, die Sonne lockt alles hervor.
Adonisröschen, so zart und fein.
die gelben Blütenköpfchen im Chor
stimmen ins Frühlingslied mit ein.

Die Blütenkronen in seidigem Glanz,
hin zum Licht öffnen sie sich weit.
Sie sind der Sonne zugewandt
zu jeder Tageszeit.

Die römische Göttersage erzählt,
dass Adonis, ein Jüngling mit seidigem Haar.
Frau Venus hatte ihn auserwählt,
ihr ganz besonderer Liebling war.

Der Kriegsgott, Zorn und Eifersucht im Sinn,
ließ ihn durch einen wilden Eber sterben.
Die trauernde Göttin aber verwandelt ihn
in die leuchtende Blume zu neuem Leben.

Gerda Quentel

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Milseburg

In meiner Jugend habe ich
zum ersten Mal
Dich, schöner Berg,
erwandert und erstiegen.
Ich schaut‘ und schaute dazumal
und sah ringsum in großer Zahl
die Berge und die Dörfer liegen.

Ein Felsenberg, so schroff und
wie ein Sarkophag, in sanfter
Landschaft türmt er sich empor.
So manche Sage spann sich Jahr
und Tag, vom Riesen Mils,
der darin begraben lag.
Die Phantasie der Röhner
brachte das hervor.

Dann war ich viele Jahre nah
und doch so fern, denn eine
Grenze trennte unser Land.
Ich träumt hinüber, wäre doch so
gern gewandert unter meinem
guten Stern, hinauf zum Berg,
der mir so wohl bekannt.

Nun hat sich mir der Wunsch
erfüllt und Jahr für Jahr besteig
ich, schöner Berg dich wieder.
Ich wandre, dass sich meine
Sehnsucht stillt und mir der
frische Wind die Schläfen
kühlt und sing‘ mit
Kameraden frohe Lieder.

Gerda Quentel

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Ein neuer Frühling

Wieder darf ich einen Frühling sehen
und mein Auge all die Schönheit schauen;
spüre, wie die linden Lüfte wehen
seh‘ die weißen Wolken ziehen im Blauen.

Und mein Kätzchen in der Sonne
räkelt sich und schlummert ein.
Dieser Frieden, diese Wonne,
kann noch etwas schöner sein?

Dankbar nach des Winters Tagen
Fühle ich das große Glück.
Neues gilt es jetzt zu wagen,
mutig vorwärts, nicht zurück.

Gerda Quentel

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Winterabend am Schwarzen Moor (1944)

Es ruht die Welt im Winterkleid,
der Schnee deckt Moor und Matten.
Die weite Fläche, rings verschneit,
liegt trauernd in der Einsamkeit
der ersten Abendschatten.

Es bricht die Dämm‘rung leicht herein,
der Tag will wieder scheiden,
sie wiegt die Flur im Schlafe ein.
Die Nebel spinnen zart und fein,
den Schleier auszubreiten.

Am Waldrand auf den Fichten liegt
Der letzte Tagesschein.
Der Abend leis darüber fliegt
Und auch die letzten Fichten wiegt
er in den Schlummer ein.

Jenseits das Moor, von Winters Macht
Gefesselt jetzt gebunden;
Sonst einsam, schaurig in der Nacht,
wenn manch ein lockend Ruf erwacht.
Jetzt hat es Ruh gefunden.

So webt die Dämm‘rung hier und dort.
Schon bricht die Nacht herein.
Sie nimmt des Tages Leuchten fort,
und Ruhe kehrt an jedem Ort
und tiefe Stille ein.

Im Frieden liegt ringsum die Welt.
Manch Sternlein ist erwacht
und glitzert hoch am Himmelszelt
herab auf Wald und Moor und Feld
in stiller Winternacht.

Gerda Quentel

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Dem Freunde – meinem späteren Mann gewidmet

Denkst du zurück an jene Winternacht?
Die Welt lag ruhig und verschneit.
Am Himmel stand der Mond in voller Pracht
Und wir, zwei Kinder, in Einsamkeit.

Über den Fichten lag ein Wintertraum.
Wir standen stille und gebannt.
Ein silbern Leuchten kam von jedem Baum,
sanft hieltest du mich an der Hand.

Und rings um uns versank die Welt,
manch stummes Zeichen gab dein Mund.
Die Sterne blitzten am Himmelszelt
In dieser stillen, uns geweihten Stund.

Verstummen musste da ein jedes Wort,
denn and’re Stimmen waren hier erwacht.
Und wie im Traume wanderten wir fort,
in dieser wunderreichen Märchennacht.

Gerda Quentel

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Erinnerungen an ein Erlebnis im Herbst

An trüben Wintertagen mit Glatteis, wenn ich lieber die Wohnung nicht verlasse, krame ich in Erinnerungen, schaue mir alte Fotos an und habe auch im Computer eine ganze Auswahl von Erlebnis-Fotos, die ich immer wieder gern betrachte. Da kam mir die schöne Erinnerung an ein Erlebnis im Herbst.

In der Zeitung hatte ich von Draisine-Fahrten im Eichsfeld gelesen und irgendwie reizte mich das, auf einer alten Bahnstrecke mit einer Draisine die Gegend zu erkunden. Ich sprach mit meiner Tochter darüber, diese mit ihrem Bruder. Und er nahm das gleich in Angriff, telefonierte mit allen Geschwistern, wer mitmachen würde. Da kam ein kleines Familientreffen zustande. Mein Sohn   organisierte für einen Samstag im Herbst drei Draisinen für je 5 Personen und wir trafen uns morgens gegen 9 Uhr in Lengenfeld unterm Stein am ehemaligen Bahnhof der sogenannten Kanonenbahn. Zwei Enkel mit zwei Urenkeln fehlten noch, riefen aber an, dass es mit den Kindern unterwegs wegen Übelkeit Schwierigkeiten gab und sie etwas später kämen. Inzwischen teilte mein Sohn die Besetzung der Draisinen ein, immer zwei zum Treten und drei, die mitfahren durften. Die erste Draisine besetzte meine Schwester und ich sowie eine Enkelin, zum Treten erklärten sich Tochter und Schwiegersohn bereit. Es war 9 Uhr und wir sollten ruhig losfahren, die übrigen Teilnehmer wollten auf die Nachzügler warten. Die Enkelin holte noch ein Plaid aus dem Auto für meine Schwester und mich, das wir uns über die Beine legten. Es war noch ein wenig frisch, wenn auch die Sonne schon hervor lugte. Die Fahrt begann und nach wenigen Minuten waren wir auf dem großen Viadukt von Lengenfeld über dem Tal der Frieda, welches 244 m lang und 24 m hoch ist. Auf meinem Wunsch hin hielten wir an und betrachteten in Ruhe die Gegend. Wir sahen bei der Weiterfahrt neben der Bahnstrecke einen Wanderweg, auf dem eine junge Frau mit ihrem Hund spazierte. Es ging zügig weiter und bald hatten wir wieder die vor uns fahrende Siebender-Draisine eingeholt. Muntere Zurufe gingen hin und her und meine Tochter sagte: „Oh lala, die trinken Sekt“. Wir wurden aufgefordert, einen Becher zu reichen und bekamen ihn mit Sekt gefüllt zurück. Lustig ging die Fahrt weiter, der erste Tunnel (Entenbergtunnel, 288 m lang) kam in Sicht. Die vor uns fahrende lustige Gesellschaft wollte pausieren, hob ihre Draisine aus den Schienen und setzte sich zu einem Picknick nieder. Wir fuhren wieder weiter und bald kam der Haltepunkt Großbartloff in Sicht. Wir hielten wieder an und die übrigen Familienmitglieder tauchten auf. Da gings dann gemeinsam weiter. Es kam auch gleich der nächste Tunnel, der Heiligenbergtunnel mit einer Länge von 198 m. Unsere fleißigen Treter kamen ganz schön ins Schwitzen und wechselten mit der Enkelin ab.

Die Strecke führte durch schöne Natur, von den Haltepunkt Rottenbach, Effelder u.a. ist nicht mehr viel zu sehen. 155 m ging es durch den Mühlenbergtunnel zum ehemaligen Haltepunkt Luttergrund, wo im Tal das Flüsschen Lutter rauscht. Der letzte Tunnel auf unserer Strecke war der 1.530 m lange Küllstedter Tunnel mit seinem burgartigen, imposanten Westportal. Es war recht kühl, nur 8 Grad und wir frösteln bei der Durchfahrt ein bisschen. Aber nach nur einem Kilometer war der vorläufige Endpunkt der Draisinenstrecke am Bahnhof Küllstedt erreicht. Wir stiegen aus und auf einer kleinen Drehscheibe musste man die Draisine drehen und etwas zurück schieben, um den Nachkommenden Platz zu machen. Bis 12 Uhr war nun eine Ruhepause. Die Urenkel konnten sich auf dem Spielplatz vergnügen, im Gasthof konnte man essen und trinken. Auch die Pferde auf der Koppel wurden mit Zuckerrüben gefüttert und waren ein Erlebnis für die Kleinen.

Um 12 Uhr wurden die Draisinen wieder bestiegen und die Fahrt zurück begann. Die 124 m Höhenunterschied, die unsere fleißigen Treter geschafft hatten, gings nun abwärts zum Ausgangspunkt und ab und zu musste sogar gebremst werden. Die Streckenlänge beträgt hin und zurück 26 Kilometer. Es war ein wunderschönes Herbsterlebnis.

Von Gerda Quentel

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