Geschichte

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Sekt auf Vorrat

Weihnachten, ich liebes es.
Kerzen flackern, der Duft der frischen Plätzchen, gepaart mit Glühwein liegt in der Luft.
Meine Lieblingsplatte „Weihnachten in Familie“ hat schon so tiefe Riefen, dass die Nadel fast auf dem Fils kratzt.
Aber mein Highlight ist der Baum, dieser Mächtige, gut riechende, mit den Sammelwerken der letzten Generationen geschmückte, grüne, zeitlich begrenzte Mitbewohner, den, den liebe ich.

Die Geschichte unseres Baumes fing letztes Jahr ganz entspannt an.
Klar war, wir brauchen einen Weihnachtsbaum.
Die Sonne ging auf, die Sonne ging unter …. 14x
Mein Mann versprach mir ein wunderbares Exemplar.
Meine Spannung stieg ins unermessliche und eines Tages dann polterte es auf der Treppe.
Zwei Männer betraten die Wohnung – einer war gekleidet like a Holzfäller in Flanellhemd und feste Lederhandschuhen, der andere in Blue-Jeans – schon mal ein tolles Bild .
Broke Back Montain in the Hood, dachte ich kurz.
20 Minuten später stand das gute ETWAS – und als ich es sah, fiel es mir wie Schuppen von den Augen.
Der Anblick war nicht in Worte zu fassen – erstmal ein Sekt oder besser eine ganze Flasche – wie bitte schön soll ich dieses Gerät nur retten?
Der Typ in Blue-Jeans sagte: ach, easy- wir schrauben einfach noch ein paar Äste rein.
Oder besser noch, wir hängen so viel Lametta dran, da fällt der Baum gar nicht mehr auf.
Der Flanellhemdtyp sagte: das ist eine echte Nordmann , ich: mach das fort Mann !
Drei Sonnenauf- und Untergänge später, stand das Ding noch immer, nur ohne angeschraubte Äste,
aber dafür mit viel buntem Behang in der Ecke – genau wie ich: man kann gut kaschieren.
Und wer hätte das gedacht, in dunklem Licht, das Ding im neuem Glanz erwacht.
Mit dem Weihnachtsbäumen ist es so wie mit den Hunden im Tierheim- die Hässlichsten sind die mit dem besten Charakter – die geben das meiste zurück – in unserem Fall: Tannennadeln
Jetzt hatte dieser Baum, nicht wie Andere eine Spitze, nein er hatte 5.
Die Frage war also, wo bitte kommt meine Weihnachtsbaumspitze hin?
Es ist wie es ist, Weihnachten wird toll, ich hab ja genug Sekt auf Vorrat.

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Freiheit auf dem Heimweg

Die Bustüren öffnen sich vor ihr. Raus aus dem stickigen Bus. Die Bustüren schließen sich hinter ihr. Sie läuft auf der rechten Straßenseite, neben ihr fließt der kleine Bach, überall liegt Müll. Die armen Forellen, denkt sie. Und dann bleibt sie stehen. Sie hört Kraniche rufen und blickt auf. Sie ziehen über ihr. Mindestens 200 schwarze Striche, weit über ihr. Sie steht mitten auf der Straße, blickt nach oben und dreht sich. Die Kraniche sieht sie nicht mehr. Die Bücher drücken ihr in den Rücken. Im Kopf geht sie die Fächer durch, die sie morgen hat – Englisch, Chemie und Geschichte, dazwischen eine Freistunde. Chemie versteht sie nicht. Sie wäre froh, wenn sie Chemie morgen nicht hätte. Sie kommt an der Litfaßsäule vorbei. Die Theatervorstellung war vor fünf Wochen und der Zirkus ist auch schon länger weg. Sie läuft weiter. Der schwarze Hund mit dem Knick im Ohr bellt sie an und läuft am Holzzaun hin und her. Sie mag diesen Hund nicht. Noch weniger mag sie seinen Besitzer, der trinkt bei der Kirmes und beim Osterfeuer zu viel. Ach, wie sie das hasst. Sie überquert die Straße. Kickt einen Stein in Richtung Bäcker. Das Geöffnet-Schild steht auf dem dreckigen Bürgersteig. Der Geruch von Pferdemist schlägt ihr in die Nase. Sie läuft bergauf am geschlossenen Schlecker vorbei. Dort hat sie sich immer vor der Verkäuferin gegruselt. Die Räume sind leer. Jetzt muss sie 20 Minuten mit dem Fahrrad fahren, um zum Supermarkt zu kommen. Hin ist es leicht, doch bergauf mit dem Einkauf ist anstrengend. Sie liest das „Hier wache ich“- Schild. Der Schäferhund springt laut scheppernd gegen die Gitterstäbe. Sie schreckt leicht auf und verdreht die Augen. Sie läuft weiter. Der Asphalt hat hier drei Risse. Sie biegt links in die Straße ein und vorne beim grün gestrichenen Haus dann rechts. Auf dem Hausdach wächst eine kleine Birke und der Garten ist mit Hagebuttensträuchern übersät. Der Ziergarten ihrer Nachbarn sieht dagegen unecht aus. Die Nachbarin versteht keine Witze und ihr Ehemann schmeißt die faulen Äpfel in ihren Garten.

Sie macht ihre Haustür auf. Die Kraniche rufen fern im Tal. Die Haustür schließt sich hinter ihr.

Cora Berthold

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Das Geburtstagsbrot

Es war zu der Zeit, als es noch Lebensmittelmarken gab.
Wir waren neben Vater und Mutter drei Geschwister, die, wie viele andere Menschen zu der Zeit, immer hungrig waren. Das wichtigste und auch begehrteste Lebensmittel war für alle das Brot. Es war, wie fast alles, rationiert, und wenn es dem Monatsende zuging, in fast allen Familien kaum noch vorrätig.
Wenn wir am Küchentisch saßen und jeder auf seine Scheibe Brot wartete, konnte ich am traurigen Blick meiner Mutter sehen, wie gern sie jedem von uns so viele Scheiben Brot hätte geben wollen, bis er satt war; aber diese Zeit ließ das nicht zu.
Das Endstück des Brotes – das sogenannte Knützchen – erhielt immer der Vater und oft beneideten wir ihn darum.
Mutter schnitt die Scheiben möglichst dünn, denn ein Brot musste bei fünf Personen eine ganze Woche vorhalten.

Um mich trotzdem am Duft frischgebackenen Brotes ergötzen zu können, erbot ich mich immer, das Brot einzukaufen, und zwar in der Bäckerei gleich neben unserer Wohnung. Ich gab dort die abgeschnittenen Brotmarken ab, erhielt jeweils ein frisches noch warmes Brot und versuchte möglichst lange in der Bäckerei zu bleiben, denn bis zum Laden nebenan schafften es die Brote nie, zu sehr warteten die Hungrigsten auf den nächsten Schub dieses köstlichen Lebensmittels.

Für mich war der Duft des frischen Brotes wie ein Geschenk. Ich bewunderte die vielen Brote, wie sie aus dem Backofen geschaufelt wurden; Vierpfünder, Dreipfünder, Zweipfünder und, auf die sah ich ganz besonders begehrlich, kleine, runde, glänzende Einpfünder. Und ich wünschte mir, nur einmal in meinen kurzen Leben ein solches kleines, glänzendes, warmes Einpfundbrot allein für mich zu besitzen. In Gedanken biss ich in die knackige, warme Kruste und verzehrte diese Köstlichkeit ganz allein und auf einmal.

Mein Geburtstag rückte heran, und trotz geringer Möglichkeiten, uns Kindern zum Geburtstag ein kleines Geschenk zu machen, fragte mich meine Mutter, was ich mir denn wünsche. Sie wusste, dass unsere Wünsche nie ein Ausmaß annahmen, die ihre Möglichkeit, sie zu erfüllen, überschritten. Sie musste mich mehrfach fragen, was ich mir denn nun wünschte, ich aber zögerte, weil mir dieser heimliche Wunsch so ungeheuerlich vorkam, dass ich mich nicht getraute, ihn zu äußern.

Aber meine Mutter blieb hartnäckig. Schließlich offenbarte ich ihr, dass ich mir zu meinem Geburtstag ein kleines rundes Brot wünsche. Mutter ließ mich nicht spüren, was sie von meinem Wunsch hielt. Sie selbst kam nicht wieder darauf zurück, und ich sah meinen sehnlichsten Wunsch nie in Erfüllung gehen.

Einige Tage vor meinem Geburtstag fragte sie mich, ob ich sie denn nach Eisenach begleiten wolle; den Grund dafür nannte sie nicht. Ich sollte also mit ihr nach Eisenach pilgern ohne zu wissen, was sie tatsächlich dort vorhatte, hoffte aber, dass sie Lebensmittel zu kaufen beabsichtigte, denn in der Kreisstadt wurden die Lebensmittelmarken immer mehrere Tage vor denen in Ruhla aufgerufen. Wir machten uns auf den Weg.

Schon in Wutha war ich am Ende meiner Kräfte, denn alles musste per Pedes bewältigt werden. Busse gab es noch nicht und die Bahn fuhr schon lange nicht mehr. Meine Mutter sah, dass ich den Weg bis nach Eisenach nicht schaffen würde, und, wie immer, fand sie eine Lösung. Sie bat eine Familie in einem Haus an der Wegstrecke, mich zu beherbergen, bis sie mich auf dem Rückweg wieder abholen würde. So geschah es. Man setzte mich im Vorgarten des Hauses auf eine Bank, die freundliche Frau versorgte mich mit Pfefferminztee, und ich harrte der Dinge, die da kommen sollten.

Nach Stunden kam meine Mutter mit vollen Einkaufstaschen aus Eisenach zurück gepilgert. Aus den Einkaufsbehältnissen roch es verführerisch – da ahnte ich bereits, warum sie mich überhaupt auf diese beschwerliche Wanderschaft mitgenommen hatte.
Ich konnte es kaum erwarten, traute mich aber nicht, sie zu fragen – bis sie aus einer der Taschen mein Geburtstagsgeschenk herausnahm: Ein kleines, rundes, bräunlich-glänzendes, warmes Einpfundbrot! Sie hielt es mit beiden Händen und übergab mir, wie in einem Zeremoniell, diese kleine Kostbarkeit! Ich durfte auf dem langen Weg bis nach Ruhla dieses Geschenk für mich ganz allein aufessen, so, wie ich es mir erträumt hatte. Ich tat es mit so viel Genuss, wie ich vordem nie eine solche Kostbarkeit zu mir genommen und sie genussvoll verzehrt hatte.

Selbst heute noch, wenn ich an einer Bäckerei vorbeigehe – und es gibt leider nur noch wenige Bäckereien, die ihr Brot selbst backen – den Duft frischgebackenen Brotes rieche, denke ich an das Geburtstagsgeschenk und ich empfinde unendliche Dankbarkeit gegenüber meiner Mutter, die mir in der schweren Zeit diesen sehnlichsten Wunsch erfüllte.

Christa Schreiber

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Von den Zwergen aus unseren Bergen

Letzten Sommer saß ich im Ruhlaer Karolinenpark auf einer Bank, um mich auf meinem Nachhauseweg ein wenig auszuruhen. Geradeaus erhob sich vor mir der Dornsenberg und „Rückendeckung“ gab mir der Breitenberg. Beim Blick nach links sah ich den Kamm des Mühlrains und rechts den Ringberg mit dem Alexanderturm. „Bergstadt Ruhla“ ging mir da gleich durch den Kopf… Dann kam mir sofort in den Sinn, dass vor 30 Jahren genau an dieser Stelle noch niemand daran gedacht hätte, hier allein auf einer Bank mitten im Grünen dem Plätschern des Erbstroms zu lauschen. An dieser Stelle befand sich nämlich die „ERU“, eine der drei großen Industriekombinate unserer Stadt. Hier herrschte geschäftiges Treiben, hier pulsierte das Leben. „Planerfüllung“ stand hier wie anderswo im Fokus, aber auch kulturell war so einiges los. Mir fiel da spontan die jährliche Kinderweihnachtsfeier ein oder der Frühshoppen am ersten Mai mit Bratwurst und Musik der „ERU-Combo“. Ja, es gab echte „Livemusik“!

Nun ging ich mit meinen Gedanken noch weiter zurück: Wie sah es wohl hier aus, als die „ERU“ noch nicht hier stand? Vielleicht so ähnlich wie jetzt?
Irgendwann gab es ja auch in Ruhla die ersten Siedler. Wie man aus der Geschichte des Ortes weiß, waren das Köhler und Messerschmiede, die sich Wasser und Holzreichtum zunutze machten.

Aber was war davor???

Um mir diese Frage zu beantworten, benutzte ich meine Fantasie und machte mir „einen eigenen Reim“ darauf…


Es war einmal ein kleiner Zwerg, der lebte ganz oben im Dornsenberg
in einer Hütte ganz aus Stein und war meistens ganz allein.
Schon hundert Jahre lebte er dort, war nie an einem anderen Ort.
Has‘ und Reh und Hirsch und Schwein lud er öfter zu sich ein.
Drüben an dem Breitenberg lebte auch ein kleiner Zwerg.
Der hatte ein anderes Gemach: ein Hüttchen aus Holz, aus Moos das Dach.
Er konnte über Wiesen zieh’n und wusste, wo frische Kräuter blüh’n.
Jeder lebte für sich allein, keiner kam in sein Reich hinein.
Ein großes Tal dazwischen war, mit einem Bach ganz kühl und klar.
Es gab damals noch keinen Weg, über den Bach noch keinen Steg.
Oftmals sah ein kleiner Zwerg gegenüber hin zum Berg.
Und dachte so für sich allein: wie wird es wohl dort drüben sein?

Eines Tages saß der Zwerg ganz traurig hoch oben im Dornsenberg.
Er hatte starken Schmerz im Rücken und konnte sich gar nicht mehr bücken.
Auch hatte er im Bein noch Schmerzen, das ging ihm alles sehr zu Herzen.
„Wenn ich doch nur etwas fänd‘, das mir Hilfe bringen könnt‘!
Verzweifelt lief er in das Tal, jeder Schritt war eine Qual.
Der Zwerg gegenüber war heut auch ganz traurig, immer allein, das ist doch schaurig!
Er dachte: „Ach was gäbe ich doch her, wenn ich nicht so einsam wär‘!
Vielleicht“, denkt er, „schau ich einmal hinunter in das tiefe Tal.“
Er hatte seinen Pfad gefunden und plötzlich war auch er ganz unten.
So kamen beide irgendwann unten an dem Flüsschen an.
Sie sahen sich ins Angesicht und trauten ihren Augen nicht.
„Juchhe“, rief der vom Breitenberg, „Du bist ja auch wie ich ein Zwerg!
Ich dacht‘ ich wär hier ganz allein! – Doch was ist mit Deinem Bein?
(Osteoporose, Rheuma oder Gicht, kannten Zwerge damals nicht.)
„Gönne Deinem Bein mal Ruh‘ und nimm Arnika dazu.
Reibe dann Dein krankes Bein mit dem Saft der Pflanze ein.“
„Doch,“ sagte nun der andere Zwerg, „die wächst ja nicht am Dornsenberg.
Gern würde ich sie einmal sehen, mal über Deine Wiesen gehen!“
Dann kam ein furchtbar lautes „Ach, viel zu tief ist doch der Bach.
Wie soll ich denn nur zu Dir laufen, ich habe Angst ich muss ersaufen.“
Der andere rief zu ihm „Hast….Du nicht mal einen langen Ast?“
Ja, Äste lagen hier genug, doch was sollte dieser Spuk?
„Schieb den längsten mal hier drüber und dann komm ich zu Dir rüber.“
Gesagt, getan, bald war die Lücke zugebaut mit einer Brücke.
Wie leicht doch plötzlich alles war: Das Bein wurde heil dank Arnika
und es war auch ungelogen des andern Traurigkeit verflogen.
Später kam noch mancher Zwerg herab von einem andern Berg.
Als er das Glück hier unten sah, blieb er auch für immer da.
Jeder hat was mitgebracht, es wurde viel im Tal gelacht!

Heut‘ fragt man sich, wo sind sie nur, von ihnen fehlt doch jede Spur.
Doch auch heute noch, fällt mir grad ein, kann man sie hier sehen aus Stein.
Auf so manchem Blumenbeet einer noch von ihnen steht.
Mit einem Lachen im Gesicht, denn Traurigkeit gab’s damals nicht.
Und sie tun’s noch heut‘ uns kund: unsere Welt ist schön und bunt!

Petra Böttger

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Brief un liewen Gott (A Rühler Adventsgeschicht)

Ich wäiß neett, öäb die Geschicht öü kennt,
se hät sich so zugetrujen in Advent.
Ich lies se üch für, bie se mäi wuir erzaahlt;
Ich glei au, se es schonn ziemlich aalt.

In d‘r Ruhl, in Flöhgeasschen, laat eamao ea all Frau,
förr die woir’s Lawen nür nooch trist unn mau.
Örr Hüsschen un Erbstrom woir klein, faost niedlich.
die Zimmer dreenn warrn äng unn niedrig.
Grösser Lüt mutten’s Hait ienzieh unn sich böck,
öm sich kei Büllen ze holln un d’r Deack.
De Stuwwen laogk in ärschten Stook.
D’r Ofen dreenn neett reechtich zoogk.
Önger d’r Deacken warsch’s munchmao so voller Qualm,
daos so stounk, daoss‘s Gott erbarm.
Der Fußboden in Ärn woir mit Steinplatten bedockt,
ea Kealer drönger feahlt, wiel se kei Geald mähn hatt.
Vörrn Huis woir daod’rfür gegraowen ea Gaangk
direakt öngers Flöhgeasschen in dan schräjen Haangk.
In Ärn woir de Köchen, d’r Hoalzstaol unn ea klänner Verschloagk.
Dan Zweack von dan Stitzchen kun ich üch verraot.
Übber‘n Erbstrom hing‘s als „gewisser“ Ort.
Mutt d‘s Mötterchen dorthin, spült’s Wasser alles fort.
Schräj heenger d’r Gartentür stuhn un Haangk
ea preachticher Birnbaum, hoch unn schlaank..

Bann änner nun meint, daos Huis weer erfongen,
dann woir‘e noch neett in’s Flöhgeasschen gegangen.
Bear daomaols in de Flöhgass ging,
konnt‘s Hüsschen önger „Klei Eacken 23“ gefeeng.

Mit d‘n Finanzen von unsen Mötterchen warrsch schleacht bestaalt,
kurz gesujen, sü hatt kei Geald.
Sü bockelt sich aob joihrihn, joihruis,
troatz allem woir se arm bie ea Kirchenmuis.

Sü saoß in örrn Stüwwetchen, von Schicksaol gaanz kromm,
unn übberleat ungesträngt, bie se ze Geald könnt gekomm.
„Jao, jao“, meint se so vörr sich hin,
„daos warrn früher nooch Zieten, doch bu gingen die hin.
Allewie feahlt mäi‘s un allen Eacken,
ich bin völlig blank, eas es zum Verreacken.“
Dao kum ühr ea Gedaanken – o sapperlott -:
„Ich schrie ean Brief un liewen Gott.“

„Liwwer Herrgott, ich bin aalt unn arm,
ich wäiß nimmähn wüddersch, ich bitt öm Erbarm‘.
Uss Paosseltang schrie ich dan Brief bestömmt neett un dich,
ich wäiß sust kei anner Heellef mähn förr mich.
Bäi schüllichen Waater, daos eas mi Kummer,
hunn ich känn Maantel, ich kun bloos gejummer.
Unn ohne Maantel, daos wäißt dou öm beasten,
frier ich bie ea Töäpfer in minner Weasten.
Mie Geald daos es schonn widder all,
ich könn die Kränk gekrie eamball.
Milaat hunn ich geärwet‘ von früh bis spät,
troatzdan seetz ich hütt off stränger Diät.
Ich hunn nüscht ze bissen, unn daos eas doch arg,
drömm scheeck mäi un Christkeengchen doch schneall honnert Mark.“

Dear Brief kum in ean Ömschlaogk, wuir frankiert ganz schneall,
dann lief se un d‘n Briefkaosten off d’r Steall.
Dort staockt se‘n Brief nien, örr Hoffnungen miet.
Daos Mötterchen hat‘s nun reacht vill Niet.

Bie d’r Brieftreajer annerntaogks dan Brief hät gefongen,
unn die Adreass liest, hät‘e mit sich gerongen.
Hea wooßt im Moment neett, baos mit d‘n Brief weer ze machen.
„Un liewen Gott – daos eas jao zum Lachen!“
Dann aowwer fiel‘n ihn, baos hea könnt gemach,
unn schmeeß dan Brief bäi‘n Finanzamt ins Fach.

Dear ging dann mit d’r Rühler Bimmelbuhn
übber de Wuth noach Iesenach nun.
In‘s Finanzamt kume gläich un anneren Taogk,
dan zuständchen Beamten troaf bäinaoh d’r Schlaogk.

Wiel‘e nöügierich woir bie de all Fambachen,
nuhm‘e sich gläich für, dan Brief uf ze machen.
Daos maoicht‘e stante pede, si Auchen wuiren ganz groß,
unn‘e schuttelt si Hait, baos hea dao laos.

De Rühler sunn zwoirt übber Iesenach:
„De Ieseneacher Töpfeschisser konn’n alles gemach,
in de Ströümpf geschiss unn Worscht druis gemach.“
Dear Muun aowwer maoicht sinn Lüten nun alle Ehr
unn übberleat, bie dan Mötterchen ze heellefen weer.

Unn daos, öü konnt mäi geklei, daos woir kei Scherz,
eas gitt au bäi‘n Finanzamt nooch wealche mit Herz.

Hea daoicht sich, dear muss me heellef, daos es gewiss,
allein deassweajen schonn, wiel ball Christkeengchen es.
Förr ühn woir daos bie Hütsbrüh kloir,
au bann’s Mötterchen ea Rühler Schnäbuller woir.
Bann Henner unn Frieder daos heatten erlaat,
heatten se drüwwer örr Fröä gehaot.

Ühn kum so ea Gedaanken, unn dear woir bie von mäi,
daos könnt ea Heellef förr‘s Mötterchen säi.

Hea fing nun un, duirch de Büros ze wannern,
von änn sinner Kollegen bäi all die anneren.
Hea summelt flissich munch Mark und Pfänn
von d‘n Unfang von Finanzamt bis un’s Äng.

Daos Reseltaot sinner Summeläi woir leider ea wängk karg,
staott honnert hatte nür süwwezich Mark.

Daos Geald wuir dann unverwandt
un die arm Frau aobgesandt.

Die Fröä von unsen Mötterchen woir neett zu ermeassen,
daoss unse Herrgott sü neett hatt vergeassen.
Daos heatt se neachten nooch neett gedaoicht,
daoss ühr un Christkeengchen so ea Glöck wür gebraoicht.
Eas woir ühr nun möglich, ean Maantel ze käifen,
unn brucht in d‘r Köll nimmähn ohne ze laoufen.
Unn uss innerer Daankespflicht
hät se ean Brief un d‘n liewen Gott gericht.
Sü hatt ümmer fest off Gott vertraout,
drömm schreeb se dan Brief nooch un sealwen Aouwed:

„Förr die süwwezich Mark bedaank ich mich sehr;
dou häst mäi doamiet gehaolleffen sehr.
Doch bann ich dich widder öm ea wängk Geald söällt bitt,
dann scheeck‘s bitte übbers Finanzamt neett.
Die Loumpen hunn mäi, daos es neett gelojen,
von dan honnert Mark drissich aobgezojen.“

(Dessau-Roßlau, Christkeengchen 2017,
von Steins Herberten,
ean Jongen uss d’n Schwan off d’r Köhlerschgass)

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Zurück in die Zeit

Andreas liegt verschlafen im Bett. Er liegt mit dem Kopf auf seinem weichen Kissen und träumt vor sich hin. Jetzt klingelt sein Handy und er schreckt aus seinem Traum hoch. Es ist Max, sein Kumpel. „Hey, wo bleibst du denn?!? Wir wollten uns doch in der Höhle treffen!“, ruft Max in sein Handy. Andreas dreht sich erschrocken um. Er hat vergessen seinen Wecker zu stellen! 11:56 Uhr! Und er wollte sich 09:00 Uhr mit Max treffen! „Okay Max, ich bin gleich da!“, sagt Andreas und legt auf.
Andreas rennt zur Haustür raus. Seine Mutter ruft ihm hinterher: „Hey Andreas, du musst doch erst einmal etwas essen!“ Andreas dreht sich um: Keine Zeit ich muss weg!“. Er steigt auf sein Fahrrad, und fährt los.
Die Höhle ist das Versteck von Andreas und Max. Da steht ein altes Sofa drin, ein Schrank, der vollgestopft ist mit Süßigkeiten, und eine kleine Lampe, die die Höhle erleuchtet.

Als Andreas angekommen ist, wartet Max schon am Eingang. „Wo warst du denn die ganze Zeit? Ich warte schon seit Stunden!“, brüllt Max wütend. „Sorry ich hab verschlafen! Du weißt, dass ich kein Frühaufsteher bin!“, antwortet Andreas.
„Egal jetzt, ich muss dir unbedingt etwas zeigen!“, sagt Max und zeigt voller Stolz auf eine kleine Holzkabine. „Sie ist fertig, unsere Zeitmaschine! Wenn du da außen am Rädchen drehst, kannst du das Jahr einstellen in das du reisen willst.“, sagt Max erfreut.
Die beiden Freunde interessieren sich schon lange für die Vergangenheit und die Geschichte. Und nun ist endlich die seit langem geplante Maschine fertig. Andreas tippt sich an die Stirn.“ Das funktioniert doch nie im Leben. Das explodiert doch oder so!“, sagt Andreas. „Deshalb bist du auch das Versuchskaninchen!“, kichert Max. „Okay, aber nur wenn…, also meistens vertraue ich dir ja, vielleicht…“, stottert Andreas. Max drückt ihm einen Fotoapparat in die Hand, bevor Andreas sich eine Ausrede überlegen kann. „Viel Glück!“, ruft Max zuletzt.

Dann steigt Andreas unsicher in die Zeitmaschine und verschließt die Tür. Max dreht das Rädchen auf 1,5 Mio. Jahre. Plötzlich knallt es und Andreas wird schwindelig. Dann bricht Andreas zusammen, und wird bewusstlos! Als er wieder aufwacht und sich umsieht, findet er eine kleine Höhle. Er traut sich aber nicht hineinzugehen. Hätte er bloß eine Taschenlampe dabei! Vielleicht ist er doch in einer anderen Zeit gelandet! Und wie soll er dann wieder nachhause kommen!?! Okay, das hätte er vielleicht vorher überlegen sollen. Wenn Andreas schon mal hier ist, macht er sich eben auf die Suche nach einem Homo erectus! Der müsste ja vor 1,5 Mio. Jahren hier gelebt haben, überlegt er. Andreas sucht und sucht, doch er findet kein Tier. Die Dämmerung bricht herein, und Andreas baut einen Unterschlupf. Sein Lager war nicht weit von der Stelle entfernt, wo er gelandet war. Er wusste nicht einmal, was er essen sollte. Und jetzt fing es auch noch an zu regnen. Gut, das er den Unterschlupf hatte. Andreas gähnte, streckte sich, und schlief dann ein. Am nächsten Morgen, knurrt Andreas Bauch so sehr, das er es fast nicht mehr aushält. Doch Andreas sucht weiter nach irgendwelchen Lebewesen. Plötzlich hört Andreas etwas rascheln. Direkt hinter ihm! Langsam greift er nach einem Stock, und dreht sich dann um. Dann fühlt er einen leichten Wind hinter sich. Doch es raschelt nicht mehr im Gebüsch.“Moment mal?“,dachte Andreas:“Das ist kein Wind, sondern da atmet was!“. Schnell dreht er sich um.

Doch das, was da steht, muss ein Homo erectus sein. Er sieht schon irgendwie aus, wie ein Menschenaffe, behaart eben, war in etwa so groß wie Andreas Mutter und er ist sehr muskulös, Über dem flachen Gesicht hat er dicke Oberaugenwülste. Der Homo erectus fängt an zu brüllen und hebt seine Hand. Andreas meint, darin einen Faustkeil zu sehen. Er will auf Andreas losgehen, doch Andreas macht schnell ein Foto und rennt los. Der Frühmensch verfolgt ihn und lässt nicht locker! Vom Gebrüll alarmiert, erscheint plötzlich eine Frühmenschenfrau. Sie hält eine brennende Fackel oder ähnliches in der Hand. Voller Panik rennt Andreas los und stolpert über vor der Höhle abgelegte Früchte. Auch das noch! In seiner Angst greift er sich zwei Früchte und wirft sie nach den Frühmenschen. Einer landet dem Homo erectus direkt im Gesicht! Das ist seine Chance! Während der eine Homo erectus sich vom Schock erholt, der andere benommen auf dem Boden sitzt, rennt Andreas in die Höhle. Dort findet er ein gutes Versteck. Nach langem Warten, sind die Frühmenschen verschwunden. Andreas geht langsam aus der Höhle. Doch irgendetwas liegt da im Gebüsch!
Ein Glück! Das ist die Zeitmaschine! Sofort dreht Andreas das Rädchen auf 2017, steigt in die Zeitmaschine und ist wieder zuhause! Nur gut, das er Fotos hat. Das wird eine lange Geschichte die er Max zu erzählen hat.


Zurück in die Zeit – Teil 2

Was bisher geschah…

Max und Andreas hatten eine Zeitmaschine gebaut, die tatsächlich funktionierte! Andreas reiste in die Vergangenheit, vor 1,5 Millionen Jahren. Dort schoss er ein Foto eines Homo erectus. Damit wollten die Freunde beweisen, das die Zeitmaschine wirklich funktioniert.


Nun starrt Max schon seit 2 Stunden auf das Foto, das Andreas gestern, also eigentlich vor 1,5 Millionen Jahren, geschossen hatte.
Die beiden sitzen in ihrem Versteck, der Höhle, Andreas im Schneidersitz auf dem Sofa und döst vor sich hin.

„Nein! Wir können damit nicht an die Öffentlichkeit gehen!“ ruft Max plötzlich entschlossen. Andreas schreckt hoch: „Waaas? Was hast du gesagt???“ Max verdreht die Augen. „Das Foto…, wir können das niemandem zeigen!“ sagt er laut. „Häh?!? Warum denn nicht? Wir könnten berühmt werden! Max und Andreas, die Zeitreisenden, wäre das nicht cool?“ fragt Andreas. „Doch schon“, antwortet Max. „Aber stell dir vor, niemand glaubt uns, sie erklären uns für verrückt oder stellen uns als Betrüger dar. Viel schlimmer wäre noch, denke mal darüber nach, die Geheimdienste nehmen uns die Maschine weg, wer weiß, was sie damit anstellen?!? Vielleicht würden sie die Vergangenheit verändern wollen, das wäre viel zu gefährlich. Und außerdem sollten wir noch einige Versuche starten. Ich habe hier nämlich auch noch ein Teil herumliegen, was ich eigentlich noch anbauen wollte. Damit kann man den Ort einstellen, an den man reisen will und das Teil kann noch was, wenn es funktioniert.“ „Und was soll das sein?“, fragt Andreas. Max antwortet: “ Es kann fremde Sprachen so umwandeln, das der Reisende sie versteht und umgekehrt kann er auch verstanden werden.“ „Wow, du bist ein Genie!“, Andreas springt auf. „Aber, ich muss jetzt erst einmal nach Hause, ich habe einen Bärenhunger! Tschüssi, bis morgen, sagen wir 14.30 Uhr?!?“
Max ruft hinterher:“ Gut, bis morgen!“

Am nächsten Tag wartet Max mal wieder auf seinen Freund, der nie pünktlich sein kann. Während er die halbe Nacht und seit dem frühen Morgen an der Maschine gearbeitet hat, hat es sich Andreas vermutlich wieder mit einer Ladung Cookies und Chips gutgehen lassen. Endlich kommt er.
„Na endlich!“, ruft Max „es ist alles vorbereitet, es kann los gehen, wohin dieses Mal?“
„Ja, ich dachte, eines der 7 Weltwunder der Antike anschauen, das wäre doch cool.“, schlägt Andreas vor.
Max nickt, „Ja, was hältst du von Ägypten?“ „Ja, ja“, quiekst Andreas vor Freude, „ich könnte doch beim Bau der Cheops-Pyramide von Giseh dabei sein. Die wurde um 2500 vor Christi erbaut, hatten wir vor 2 Jahren in Geschichte. Weißt du, wie riesig das Teil ist? 230 m lang und breit, sie war 147 m hoch, unvorstellbar, wie die das damals gemacht haben. Das würde ich gerne sehen!“
„Ich finde, das klingt gut“, spricht Max, „was genau stellen wir ein, 2530 v. Chr?“ „Okay“, ruft Andreas bereits aus der Zeitmaschine. Max reicht ihm noch schnell die Kamera. „Viel Glück! Du schaffst das!“, sagt Max ein wenig unsicher. Hoffentlich klappt das alles mit dem neuen Bauteil. Er stellt Ort und Zeit ein. „Los geht’s!“

Andreas wird es wieder etwas schwindelig, so wie auf seiner ersten Reise. Plötzlich sieht er nur noch schwarz. Als er wieder aufwacht, findet er sich im heißen Wüstensand wieder. Ist er jetzt wirklich in Ägypten? Die Sonne scheint ihm ins Gesicht, er kann kaum sehen.
„Los, lieg hier nicht so faul rum! Wir brauchen jede Hand“, brüllt eine unbekannte Stimme. „…was bist du denn für Einer?“, sagt der fremde, mit einem Lendenschurz bekleidete Mann. Er schaut irritiert auf Andreas Kleidung und seine Sandalen. Aber es bleibt keine Zeit, sich zu wundern. Der Mann hat es eilig und läuft los. Andreas folgt ihm, es scheint sehr dringend zu sein. Um nicht so aufzufallen, reißt er sich sein beiges T-Shirt herunter und wickelt es sich im Laufen um seine Shorts.
Mittlerweile haben sich seine Augen an die blendende Sonne gewöhnt. Da ist sie, die fast fertig gestellte, riesige, bombastische, monumentale Cheops-Pyramide.

Nun sieht er, warum er gebraucht wird. Ihm bleibt keine Zeit zum Staunen. Ein riesiger Steinblock liegt auf einer Art Schlitten und viele Arbeiter ziehen mit Seilen daran, um ihn zur Pyramide zu bewegen. Ein Mann scheint in der Hitze ohnmächtig geworden zu sein. Seinen Platz soll er wohl nun einnehmen. Andreas nimmt das Seil aus Papyrus- oder Palmfasern über die Schulter und auf den Ruf des Mannes, der eine Art Aufseher zu sein scheint, beginnen alle zu ziehen. Langsam setzt sich der Block in Bewegung. „2,5 Tonnen stand in meinem Geschichtsbuch“, denkt Andreas nur, „Wahnsinn, wo nehmen die Arbeiter nur die Kraft her? Nun ja, die Ägypter glauben, sich durch diese Arbeit ein gutes Leben nach dem Tod zu sichern.“ Gerade, als Andreas das Gefühl hat, er würde auch ohnmächtig werden, bleiben alle stehen. „Feierabend??? …scheint so!“, denkt Andreas, „Ich muss doch unbedingt noch unauffällig ein Foto machen!“ Er sieht sich ein wenig um: Vor ihm die gewaltige Cheops-Pyramide und die riesige Rampe, auf der die Ägypter die schweren Steinblöcke hochgezogen haben. Er zückt seine Kamera und schießt ein Foto der noch nicht fertiggestellten Pyramide. Super! Doch ein Foto reicht Andreas nicht. Er rennt eine Weile durch den Sand, weg von der Pyramide. Er sieht eine Art Dorf oder Siedlung. Da, da drüben! Da kommt jemand aus einem Haus. Der Typ hat eine Art Papyrusrolle unter dem Arm, und bewegt sich in Richtung Palast des Pharaos. Das ist seine Chance! Er rennt zum Haus des vermutlichen Schreibers, sieht nach rechts und links, um sicherzugehen, dass er nicht beobachtet wird und geht dann ins Haus. Es ist ziemlich groß, wahrscheinlich weil dies das Haus von Pharao Cheops persönlichem Schreiber ist oder zumindest von einem ziemlich wichtigen Schreiber. Er geht in einen Raum mit Bett, Stuhl und Tisch. Auf dem Tisch liegt ein Stück Papyrus mit seltsamen Zeichen drauf. Na klar, Hieroglyphen! Andreas knipst ein Foto. Was steht da eigentlich? War das erste Zeichen jetzt ein Adler oder eine Eule? Okay, er hätte in Geschichte vielleicht etwas besser aufpassen sollen. Egal, er hat ja jetzt das Foto. Im selben Moment hört er Schritte. “ Hey, du! Was hast du hier zu suchen? Soldaten kommt, hier will mich einer berauben!“, brüllt der zornige Schreiber. Sofort eilen Soldaten des Pharao herbei.“Schnappt ihn!“, befiehlt er. Andreas will fliehen, doch überall sind Soldaten. Im Blickwinkel sieht Andreas eine Tür. Flucht!!! Andreas reißt die Tür auf, schlüpft hindurch, wirft eine Art Tongefäß um, was dann die Tür blockiert, sodass er etwas Vorsprung hat. Nur gut, dass er so eine Sportskanone ist. Sein Fußballtraining ist ja doch für etwas gut. Er schafft es noch rechtzeitig bis zur Zeitmaschine, und stellt Ort und Zeit ein und reist zurück zu Max, der ihn aufgeregt erwartet.


Zurück in die Zeit – Teil 3

Was bisher geschah…

Max und Andreas hatten eine Zeitmaschine gebaut, mit der sie schon zwei Mal in die Vergangenheit gereist waren. Ihre erste Reise führte in die Steinzeit, dort begegnete Andreas zwei Neandertalern, die ihn beinahe angegriffen hätten. Im zweiten Teil musste Andreas, nachdem er beim Bau der Cheops-Pyramide in Ägypten mitgeholfen hatte, vor einem wütenden Schreiber und Palastwachen flüchten, die ihn im Haus des Schreibers erwischt hatten. Zum Glück war alles gut gegangen und Andreas war mit tollen Fotos nach Hause gekommen.


Ein aufregendes Wochenende war das gewesen, als Andreas Max von seinen Erlebnissen in Ägypten erzählt hatte. Wie hatte Max über Andreas´Fotos gestaunt! Anschließend hatten sie eine Weile über den Hieroglyphen gesessen, sie aber nicht entschlüsseln können. Nun ja, das war wohl zu schwierig, vielleicht mussten sie doch mal ins Ägyptische Museum in Berlin. Aber ein neues Abenteuer war geplant.

„Hey Max!“, ruft Andreas, der schon eine Weile aufgeregt auf seinen Freund wartet, als Max endlich, wie verabredet, vor dem Eingang der Höhle steht. Diesmal ist Max derjenige, der zu spät ist. Andreas plappert gleich los: „Ich habe was tolles im Fernsehen gesehen, gestern Abend, über die Minör… oder hießen die Minos…?“, überlegt Andreas.
„Minoer“, korrigiert Max. „Es heißt Minoer! Ich habe das auch gesehen! Mensch, das war spannend. Und warum sollte ich jetzt kommen?“, fragt Max. Andreas rollt mit den Augen: „Na das liegt doch auf der Hand! Ich trete eine neue Zeitreise an!“. Jetzt versteht Max auch. „Kannst du dich an den Teil mit den Wandmalereien erinnern? Die Minoer haben Bilder mit Menschen gemalt, die wie Akrobaten über Kühe gesprungen sind, anders als die Steinzeitmenschen. Die haben ja nur Jagdbilder gemalt“, erläutert Andreas. „Nicht über Kühe… über Stiere!“, korrigiert Max erneut. „Aber warum unbedingt die Minoer? Weißt du das nicht mehr? Das Volk der Minoer wurde wahrscheinlich durch einen Tsunami ausgelöscht! Mensch, da war doch dieser schreckliche Vulkanausbruch auf der ägäischen Vulkaninsel Thera.“ Andreas sagt: „Nö, du, das war Santorin.“. Max entgegnet:“ Och, das ist das selbe. Heute heißt Thera nämlich Santorin!“. „Ach so“, Andreas verdreht die Augen.
„Wann war das eigentlich mit dem Vulkanausbruch?“, fragt Max.
„Das weiß ich diesmal“, lacht Andreas und streckt die Zunge raus. „1650 v. Chr. plus/minus 20 Jahre. Das konnten die Wissenschaftler noch nicht genau herausfinden. In die Zeit reise ich lieber nicht. Ich interessiere mich für die coolen Bilder, die die Minoer damals gemalt haben. Die müssen doch in Knossos, dem Palast der Minoer gemalt worden sein!“. Max spricht: „Na gut, wenn du meinst… 1700 v. Chr. in Knossos. Was denkst du?“. „Klingt super, vielleicht springe ich ja auch mal über so eine Kuh und dann malt ein Maler ein Bild von mir?!“, sagt Andreas nachdenklich. „Stier, nix Kuh! Und das mit dem Springen kannst du gleich wieder vergessen. Wie soll ich die Verletzungen deiner Mutter beibringen?“, schimpft Max.
„Na gut, gib die Kamera! Vielleicht hüpfe ich ja wenigstens über ein Kälbchen. Los, stell die Maschine ein!“, befiehlt Andreas, der bereits aus der Zeitmaschine ruft. Max stellt wie besprochen die Jahreszahl ein und reicht ihm die Kamera.
„Los geht´s!“, schreit er Andreas hinterher. Doch Andreas hört ihn schon nicht mehr. Ihm wird schon wieder schwindelig in der Zeitmaschine.

Wenige Augenblicke später findet sich Andreas, der immer noch in der Zeitmaschine hockt, in einem Busch wieder. Er klettert heraus und sieht sich um, rechts von ihm – die gigantische Stadt Knossos, links von ihm – das blaue Meer. „Kreta ist wirklich wunderschön.“, denkt er sich so. „Hey, wer bist du denn?“, ruft eine unbekannte Stimme. „Mein Name ist Andreas“, sagt er und sieht den gut gekleideten Jungen an, der ihm diese Frage gestellt hat. „Klingt aber eigenartig. Ich bin Taurus. Kommst du ein Stück mit? Ich muss in die Stadt. Auf dem Weg können wir uns unterhalten.“ Andreas nickt zustimmend. „Was hast du in der Stadt vor?“, fragt Andreas. „Ich muss meinem Vater die Farbe bringen.“ Taurus hält ein kleines Tongefäß mit farbigem Pulver hoch. „Soll das etwa Farbe sein?“, denkt Andreas. Gleichzeitig wundert er sich über die gepflasterte Straße, die nach Knossos führt. Taurus erzählt einiges von dem Beruf seines Vaters, dass er schon einige Fresken und Kunstwerke im Palast von Knossos gemalt hat. Auf dem Weg kommen die beiden an einem Magazin vorbei, in dem sich über 100 große, mannshohe Tongefäße befinden. Andreas staunt: „Boah, die Dinger sind ja riesig! Was ist denn da drin?“. „In den Phitos?“, fragt Taurus etwas verwundert über die Frage des fremden Jungen. „Na Getreide, Öl, Wein und Honig…. alles mögliche halt.“ Andreas nickt und die beiden gehen weiter. Sie kommen an vielen Häusern aus Lehmziegeln vorbei, bis sie dann endlich am Palast sind. Dort wartet bereits Taurus´ Vater auf die Farbe. „Wo warst du die ganze Zeit?“, ruft sein Vater. Taurus erklärt:“ Ich habe einen neuen Freund gefunden. Kann Andreas vielleicht mit zuschauen, während du das Bild malst?“. „Meinetwegen, solange ihr mich nicht stört“, sagt der Vater und greift nach der Farbe. Der Vater fängt an zu malen und Andreas betrachtet staunend das Bild. Er erkennt einen Menschen der akrobatische Sprünge längs über einen den Stier macht. Die Farbe braucht der Maler wohl für den blauen Hintergrund. Andreas knipst heimlich ein Foto. Taurus fragt, ob sie sich noch ein wenig im Palast umsehen dürfen. Sein Vater nickt zustimmend. Er führt Andreas durch den Palast und zeigt ihm stolz die Bilder seines Vaters. Dabei merkt er nicht, dass Andreas heimlich Fotos schießt. Dann fragt Andreas:“Wo ist eigentlich der Thronsaal?“ Taurus antwortet:“Da dürfen wir eigentlich nicht hin, aber komm, ich zeige ihn dir. Aber sei leise, wenn uns jemand erwischt, sind wir dran!“ Sie betreten einen Raum, in dem sich ein Thron aus Stein und eine Art Steinbecken befindet. Tolle Farben schmücken die Wände. Andreas staunt über so viel Luxus. Plötzlich hören die beiden Schritte! „Schnell weg hier! Soldaten! Wenn die uns erwischen!“, flüstert Taurus erschrocken und packt Andreas am Arm. Schnell knipst Andreas ein Foto vom Thronsaal und rennt dicht hinter Taurus her. Eine Weile lang verstecken sich die beiden hinter zwei großen Phitos-Krügen, bis die Luft rein ist. „So ein Esel-Mist aber auch! Nur weil du den Thronsaal sehen wolltest!“, flucht Taurus. „Meine Schuld?!“, schreit Andreas Taurus etwas zu heftig an. Verärgert und enttäuscht rennt Taurus los zu seinem Vater, der wenige Sekunden später auf ihn zugestampft kommt. Er packt Andreas am Arm. „Weißt du was passiert, wenn die Soldaten das herausfinden? Mein Sohn mit einem Fremden im Thronsaal!“, schimpft der Maler. „Stopp! Lass den Jungen los!“, schreit eine Frau. Taurus´ Vater dreht sich irritiert um, lässt dabei Andreas los. Der nutzt die einmalige Gelegenheit und ergreift die Flucht. „Schnell, zur Zeitmaschine!“. Er versucht sich zu orientieren, den Weg zu finden, den er vorher mit Taurus gegangen ist. Und dann sieht er auch die Zeitmaschine. „Zum Glück, sie ist noch da!“. Er stellt Ort und Zeit ein, steigt ein, und los geht die Reise. Max wartet schon lange auf ihn. Als Andreas endlich wieder angekommen ist, erzählt er von dem Abenteuer, seiner dritten Zeitreise. Wer weiß was noch kommt…


Zurück in die Zeit – Teil 4

Was bisher geschah…

Die Freunde Max und Andreas interessieren sich sehr für Dinge, die in vergangenen Zeiten geschehen sind. Sie haben eine Zeitmaschine gebaut, mit der Andreas schon 3 Mal in die Vergangenheit gereist ist und dort spannende Abenteuer erlebt hat. Es war nie ganz ungefährlich, verfolgt von Neandertalern, Palastwachen aus dem alten Ägypten oder einem Minoischen Maler, konnte er es jedes Mal gerade so in die Zeitmaschine und zurück zu seinem Freund Max schaffen, immer mit tollen Fotos im Gepäck.

Mit kräftiger Hand packt Taurus‘ Vater Andreas am Kragen. „Wenn jemand rausbekommt, dass du meinen Sohn in den Thronsaal gezerrt hast, dann…“, droht der wütende Maler aus Knossos. Andreas laufen die Schweißperlen von der Stirn.
„Hey, Andreas!“, ruft Max. „Hallo, hallo! Träumst du schon wieder? Jetzt wach endlich auf!“ Erschrocken öffnet Andreas seine Augen und merkt, dass das alles nur ein Traum war.
„Warum hast du denn so lange geschlafen? Wir waren verabredet!“, schimpft Max. Andreas gähnt und setzt sich auf: „Was? Wie spät ist es denn?“, fragt Andreas müde und runzelt dabei die Stirn.
„Viel zu spät! Ich werde noch verrückt mit dir. Mich wundert´s, dass du es überhaupt pünktlich in die Schule schaffst!“, nörgelt Max. „Na ja, ist jetzt auch egal. Was gibt es?“, fragt Andreas und lässt sich wieder in sein Bett plumpsen.
„Ich finde, es ist an der Zeit, mal wieder eine neue Zeitreise anzutreten. Die letzte ist schon ewig her.“, erklärt Max. „Aha, und an was hast du da so gedacht?“, fragt Andreas. „Ganz einfach,“, gibt Max zurück. „…Griechenland, olympische Spiele, aus aktuellem Anlass. Bin darauf gekommen, als ich die Spiele in Pyeong-Chang gesehen habe.“ Andreas´ Augen fangen an zu leuchten. Er springt von seinem Bett auf, zieht Jeans und Pullover an und öffnet den Schrank. „Was hast du denn jetzt vor?“, fragt Max. „Ich packe Proviant ein, du weißt doch wie schnell ich Hunger bekomme.“, gibt er zurück und zerrt dabei einen Rucksack aus dem Schrank, in den er eine Wasserflasche, eine Taschenlampe und ein paar Äpfel packt. „Warte! Ich habe dir etwas mitgebracht.“, sagt Max und holt ein langes weißes Bettlaken aus seinem Beutel. „Das ist von meiner Oma, die hat noch solche alten Dinger im Schrank.“ Schwungvoll wickelt er sich das Laken um Schulter und Hüfte und bindet zum Halt eine Schnur um den Bauch. „Max, du bist einfach genial!“, ruft Andreas. „Du siehst aus, wie ein alter Grieche aus unserem Geschichtsbuch! Worauf warten wir noch? Los geht´s!“ Damit schwingen sie sich auf ihre Fahrräder und fahren zur Höhle.

Nach kurzer Vorbereitung ruft Andreas bereits aus der Zeitmaschine: „Und, ist alles eingestellt?“ „Ja! Hier ist die Kamera. Ich wünsche dir eine angenehme Reise nach Olympia!“, sagt Max. „Dann kann´s ja los gehen ins Jahr 428 v. Chr.“, verabschiedet sich Andreas. „Mach ein Foto vom Weltwunder der Antike, der Zeusstatue, im Zeus-Tempel. Das muss ich sehen!“, sagt Max.
„Ich weiß, die Statue vom Phidias, hab im Unterricht aufgepasst.“, ruft Andreas augenrollend zurück. „Okay, dann ab in die brütende Augusthitze, pass auf dich auf!“, sagt Max noch schnell.

Wie brummt Andreas der Schädel als er seine Augen öffnet. Die pralle Sonne blendet ihn und die Hitze strömt ihm entgegen. Er richtet sich auf und sieht vor sich eine riesige Fläche voller Zelte, hinter ihm liegt der Kronoshügel. Die Zeitmaschine versteckt er hinter einigen Bäumen und legt ein paar Äste drauf. Dann schlüpft er in sein Bettlaken-Gewand und krallt seinen Rucksack. Auf geht´s! Aber wohin? Vielleicht erst mal zu den Zelten. Bei den Zelten angekommen, sieht er viele Leute, die kochen und braten oder miteinander lachen. Natürlich! Hier haben die Menschen, die von weit hergekommen sind, ihre Lager während der Spiele aufgeschlagen! KLICK! Schon hat Andreas das erste Foto. Aber er will sich hier nicht zu lange aufhalten und geht weiter. Nach einigen Schritten fällt ihm die Kinnlade vor Staunen herunter, als er den berühmten Zeus-Tempel sieht. Schnell knipst er das nächste Foto. Das ist also das Heiligtum zur Verehrung des Gottes Zeus. Soll dieser riesige Aschehaufen da hinten etwa der Zeus-Altar sein, die Stelle, wo man ihm zu Ehren Opfergaben hin brachte und verbrannte? Schnell ein Foto! Es ist viel los. Ein paar Meter neben Andreas fangen einige Männer laut an, zu diskutieren. Das ist Andreas´ Chance. Er huscht in den Tempel, geradeaus auf das 7. Weltwunder zu – die Zeusstatue des Phidias. Sie ist aus Gold und Elfenbein gemacht. Zeus sitzt auf einem Thron aus Ebenholz. Ist die groß! Andreas macht zwei Bilder. „Hey, du! Mach dass du hier raus kommst. Wenn die dich erwischen!“, ruft jemand. Andreas dreht sich um. Ein etwa 12-jähriger Junge steht am Eingang des Tempels. „Los! Die erwischen dich sonst!“ Andreas blickt ihn erschrocken an: „Ja, du hast ja recht.“ Dann rennt er, gefolgt von dem Jungen, aus dem Tempel. „Du hast Glück, dass ich dich da raus geholt habe.“, spricht der Junge. „Na ja, wie auch immer. Mein Name ist Sakoles.“ Die beiden gehen weiter. „Du bist ganz schön verrückt, allein da rein zu gehen. Wer bist du eigentlich?“ „Ich heiße A…, A…, Artolis!“, platzt es endlich aus ihm heraus. „Komm mal mit, Artolis. Ich zeige dir was.“, erzählt Sakoles. Er packt Andreas am Arm und zerrt ihn zu einem Olivenbaum hinter dem Tempel . „Sieh, das ist der heilige Ölbaum. Am 5. Tag, vor der großen Siegerehrung, werde ich, ja ich…“, Sakoles macht eine kurze Pause, „heilige Ölzweige für die Siegeskränze schneiden.“ Stolz sieht er zu Andreas auf. „Ich bekomme zum Schneiden ein goldenes Messer.“ Andreas staunt: „Dann bist du ja etwas ganz besonderes! Das ist toll, dass du das machen darfst. Aber ich wollte doch eigentlich bei den Olympischen Spielen zusehen.“, erzählt Andreas. „Ich habe da eine Idee. Komm mal mit!“, flüstert Sakoles. Die Beiden schleichen in Richtung Stadion. Es ist voller Menschen. Etwa 100 Meter entfernt verstecken sie sich hinter ein paar kleinen Bäumen und Büschen. Durchtrainierte und kräftige Athleten stehen auf einer Bahn, die Arme nach vorne gestreckt, als wollten sie gleich kopfüber ins Wasser springen und sie sind…??? Nackt! Andreas reibt sich verwundert die Augen. „Das ist der Stadionlauf zu Ehren des Zeus.“, erklärt Sakoles. „Oh, das ist aber spannend!“, staunt Andreas. Die Läufer starten. Es ist ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Das Publikum jubelt als der Sieger ins Ziel läuft. Andreas schaut sich um. „Wer ist die Frau auf dem großen Stein dort? Fast alle sitzen doch im Gras.“, fragt Andreas. „Das ist die Priesterin der Göttin Demeter. Die einzige verheiratete Frau, die zusehen darf.“ Andreas nickt. „Und das dort ist doch die Statue der Göttin Nike!“, staunt Andreas. Unauffällig zieht er seine Kamera und knipst einige Fotos von der Statue und den Läufern. Doch da begeht Andreas einen großen Fehler. „Hey, was war das gerade für ein Blitz?“, fragt Sakoles. Oh nein! Andreas hat vergessen, den Blitz an der Kamera auszustellen! „Ähm…, das war sicherlich Zeus, der sich an den Spielen erfreut!“, sucht Andreas nach einer Ausrede. Doch in diesem Moment kommen einige Wachen auf sie zu, wahrscheinlich haben sie den Blitz gesehen. „Schnell, lass uns verschwinden, sonst bekommen wir beide Ärger!“, fordert Andreas Sakoles auf und zerrt ihn, bevor er etwas sagen kann, hinter sich her. Sie rennen in Richtung Tempel, doch die Wachen folgen ihnen! „Hey, bleibt stehen!“, brüllt eine der Wachen. Im Laufen keucht Sakoles: „Wir müssen uns trennen, bevor sie erkennen, wer ich bin! Sonst kann ich nicht mehr die heiligen Zweige abschneiden!“ „Verstehe.“, keucht Andreas zurück. „Danke für alles!“ Er klopft Sakoles im Rennen auf die Schulter und läuft Richtung Kronoshügel. Durch viele Menschen, die an einer Art Getränkebude anstehen, huscht Andreas hindurch und kann so die Wachen abhängen. Zurück am Berg, steigt er in die Zeitmaschine und reist zurück in das Jahr 2018, zu Max, dem er jetzt ein neues, aufregendes Abenteuer erzählen kann.


Zurück in die Zeit – Teil 5

Was bisher geschah…

Die Freunde Max und Andreas hatten eine Zeitmaschine gebaut, mit der sie schon einige Reisen in die Vergangenheit unternommen hatten, zum Beispiel in die Steinzeit, nach Ägypten, auf die Insel Kreta und nach Griechenland. Diesmal erleben sie ein spannendes Abenteuer im Römischen Reich…

Gelangweilt versinkt Andreas im Sofa der Höhle. Mal wieder inspiziert Max stundenlang die Bilder, die sein Freund bei seinem letzten Abenteuer in Griechenland geschossen hatte.
„Bist du jetzt endlich fertig?“, fragte Andreas. „Du sitzt jetzt schon seit Stunden rum und guckst dir meine Bilder an. Wo bleibt da der Spaß?“
Max rollt die Augen. „Ich wäre schon längst fertig, wenn du mich nicht immerzu unterbrechen würdest!“, meckert er und konzentriert sich wieder auf die Fotos.
„Hm, was soll`s.“, brammelt Andreas, geht zu seinem Rucksack, holt sich ein Buch, um die Langeweile zu vertreiben und zieht dabei einen hellen Zipfel Stoff mit heraus. „Oh, mein griechisches Gewand“, denkt er, „hab ich vergessen, auszupacken.“ Er packt es komplett aus und hält es in die Höhe. „Hey, guck mal!“ Etwas genervt schaut Max ihn an und sagt erst mal nichts. „Was ist mit dir?“ fragt Andreas. „Du hättest auch glatt als Römer durchgehen können“, antwortet Max und verschränkt überlegend die Arme vor der Brust. „Hm, ich glaube schon.“, entgegnet Andreas und zieht dabei sein Geschichtsbuch aus dem Rucksack. Er blättert darin: „Genau, sieh mal hier!“ Andreas deutet auf ein Bild. „Stimmt, das Gewand war sehr ähnlich.“
„Weißt du was? Dein neues Reiseziel steht fest: Rom!“, grinst Max, „Ein paar kleine Veränderungen am Gewand und das neue Abenteuer kann beginnen!“

Einen Tag später:

„Hast du alles?“, fragt Max. Er hat die Zeitmaschine auf 400 n. Chr.eingestellt, da die beiden beschlossen hatten, sich einmal die Römischen Thermen , welche damals so etwas ähnliches wie die heutigen Schwimmbäder waren, anzusehen. „Klar, habe ich alles.“ Andreas nickt. Er hat sich in sein Gewand geworfen und die Kamera in eine Art „Geheimtasche“ gesteckt, die sich unter dem Gewand befindet. „Gut, dann viel Glück.“ Andreas atmet noch einmal tief durch, bevor er in das Jahr 400 reist.

Müde reibt Andreas seine Augen. Ein wenig schwindelig ist ihm, wie immer bei seinen Zeitreisen. Blinzelnd blickt er aus dem Gebüsch, in dem er gelandet ist, in die Sonne. Um ihn herum sind mehrere tolle Gebäude zu sehen, aus denen Leute spaziert kommen. Rechts von ihm, das müsste die Therme sein, in die er seinen Ausflug geplant hatte. Er läuft los und steuert direkt darauf zu. Er ist anscheinend nicht der Einzige, der auf die Idee gekommen war, heute ein Bad zu nehmen. Von außen kann er schon schöne Mosaike an den Wänden und auf dem Boden erkennen. Die Therme ist gefüllt mit Menschen, die sich unterhalten, schwimmen oder nach der Abkühlung die Hitze in der Sauna genießen. Andreas spaziert los, doch plötzlich hält ihn irgendetwas an seinem Gewand fest. „Hey, dachtest du, du kannst hier einfach so rein spazieren? Du musst doch bezahlen.“ Ein Mann mit fieser Miene schaut ihn an. „Oh, stimmt. Ich…ich habe mein Geld wohl zu Hause liegen lassen. Ich hole es schnell.“, erklärt Andreas etwas panisch, hat jedoch keine Ahnung, wo er jetzt ein bisschen Geld herbekommen soll. Doch dann hört er ein leises Platschen, als ob jemand etwas ins Wasser wirft. „Hmm…“ Er dreht sich einmal um sich selbst. Was war das bloß? Jetzt wird ihm klar, dass dieses Geräusch von einem Wunschbrunnen kommt, der in der Nähe des Einganges steht. Eine Frau hat gerade eine Münze in den Wunschbrunnen geworfen. „Das Problem mit dem Geld ist ja einfacher zu lösen, als gedacht“, überlegt er sich und schleicht zu dem Wunschbrunnen. Als niemand schaut, greift er in den Brunnen und nimmt eine Hand voll Münzen heraus. Mit etwas schlechtem Gewissen steckt er das Geld ein und bezahlt bei dem Mann von eben, der ihn seltsam anschaut. Einige Münzen hat er sogar noch übrig, die kann er ja Max mitbringen oder vielleicht auch wieder in den Brunnen zurück werfen… Viele Leute sind hier, die Kinder spielen, Erwachsene machen Sport oder gehen in die Bibliothek… ja, all´ das ist hier möglich. Verrückt, so was in einem Schwimmbad? Aber echt cool! Doch erst einmal will Andreas sich abkühlen, denn das ist bei diesen Temperaturen dringend nötig. Er hängt seinen Umhang an einen Haken und steigt ins kühle Nass. „Uuuh, ist das kalt!“ Aber diese Erfrischung tut gut. Auf ein Bad in einem der warmen Becken hat er gerade keine Lust, vielleicht ja später. Endlich erlebt er mal ein Abenteuer das nicht so gefährlich zu sein scheint. Nach einigen Minuten beginnt er doch zu frieren, zitternd klettert er aus dem Becken. Jetzt sollte er sich erst einmal etwas aufwärmen, schließlich hat er kein Handtuch dabei. Da fällt ihm ein, dass es hier in der Therme ja eine Art Sauna geben muss. Also geht er los. Bei der Sauna angekommen, zieht er seine Sandalen aus und öffnet die Tür zur Sauna. „Aua, heiß!!!“, brüllt er voller Schmerz, denn der Boden ist viel zu heiß. Aber klar, die Römer hatten ja Fußbodenheizung! Unter den beheizten Räumen befinden sich Öfen, die auf diese Weise den Fußboden erhitzen. „Stimmt, stand ja eigentlich im Geschichtsbuch.“ Vor Schmerz macht er einen Satz zurück, da fällt ihm auf, dass vor der Tür Holzschuhe stehen, mit denen man über den heißen Boden laufen kann, ohne sich die Füße zu verbrennen. Schnell schlüpft er in ein Paar und fängt an, über den heißen Boden zu laufen. KLICK, KLACK! Die Schuhe machen lustige Geräusche, wenn er damit über den heißen Steinboden geht. Am anderen Ende des Raumes sieht er eine Bank, an der Wand wunderschöne Mosaike des Göttervaters Zeus. Also läuft Andreas nochmal zurück, holt seinen Fotoapparat, und schießt aus sicherer Entfernung ein Foto. Schnell „klappert“ er mit seinen Holzschuhen zurück, und lässt sich auf einem freien Platz auf der Bank nieder. Neben ihm sitzt eine Familie mit drei Kindern, die ihn verschwitzt aber lächelnd ansieht. „Es ist wirklich heiß hier drinnen!“ So langsam treibt es auch ihm Schweißperlen auf die Stirn. Die Kälte, die er eben ihm Becken gespürt hat, ist wie weggeblasen… oder eher weggeschwitzt? Entspannt lehnt er sich zurück, verschränkt die Arme hinter dem Kopf, und atmet einmal ganz tief aus.

„ES BRENNT!!! FEUER! ALLE RAUS HIER!!!“ Andreas schreckt hoch. Feuer?!? „Na los, weg hier!“, ruft der Familienvater. Alle springen auf. Tatsächlich! Vom Gang ist Rauch zu sehen, dunkler Rauch. Ein verbrannter Geruch steigt Andreas in die Nase. Die Leute, die eben noch gebadet haben, rennen nun schreiend umher. Ein Kind aus der Familie fängt an zu weinen. „Kommt mit!“, fordert Andreas die anderen auf. Doch bevor er losrennen kann, wird er vom brennenden Feuer gestoppt. Sie sitzen in der Falle! Was soll er nur tun?! In der anderen Richtung endet der Gang. Sackgasse! Das war´s! Bevor Andreas´ Gewand samt Kamera verbrennt, greift er es und rettet es vor den Flammen. Anscheinend endet seine Reise in Rom! Die Eltern umarmen ihre schreienden Kinder. Doch dann kommt Andreas eine Idee. Er ballt seine Faust und schlägt damit auf ein kleines, farbiges Fenster ein, das zerfällt daraufhin in viele Scherben. Der Vater kommt ihm zu Hilfe und entfernt eilig mit seinem Holzschuh die restlichen Splitter. Super! Es wird auch höchste Zeit, das Feuer hat sich mittlerweile so weit verbreitet, dass sie schnell durch das Fenster klettern müssen. Andreas klettert voraus, ins Freie und hilft den Kindern, danach der Frau und zum Schluss dem Mann aus dem Fenster zu steigen. Alle fliehen weg von dem Brand, in sichere Entfernung. Erst jetzt realisiert Andreas, dass er und viele andere Menschen in der römischen Therme fast ihr Leben gelassen hätten. Ein riesiger Stein fällt Andreas vom Herzen, als alle Menschen aus dem brennenden Gebäude gerettet sind. Ein Foto macht er noch… wann sieht man denn schon mal eine brennende Therme aus dem Jahre 400? Alle Bücher aus der Bibliothek, das ganze Essen, die Vorlesungsräume, die Schwimmbecken, ja sogar die restlichen Holzschuhe sind jetzt nur noch Schutt und Asche. „Danke, dass du uns gerettet hast! Wie können wir uns jemals bei dir bedanken?“, fragt die Mutter und legt ihm eine Hand auf die Schulter. „Nun ja, ich muss jetzt auch gehen, meine Eltern machen sich sicherlich schon Sorgen. Wie wäre es, wenn es bei einem einfachen ,Danke‘ bleibt?, ruft Andreas und grinst. Die Familie bedankt sich noch einmal kräftig und Andreas verschwindet. Er überlegt sich auf dem Weg zur Zeitmaschine, wie es wohl gewesen wäre, wenn er nicht zurück gekommen wäre. Nicht auszumalen, welche Sorgen sich Max und seine Familie gemacht hätten…

Er stellt die Zeitmaschine auf 2018 ein und springt hinein, mit neuen Bildern, neuen Erfahrungen, und vor allem neuen Freunden aus Rom. Doch was passiert wohl in seinem nächsten Abenteuer?


Zurück in die Zeit – Teil 6

Was bisher geschah…

Nachdem die beiden Freunde Max und Andreas schon einige Zeitreisen in die Vergangenheit  unternommen hatten und Andreas, als der Zeitreisende, vieles gesehen hatte, zum Beispiel den Palast von Knossos oder die Ägyptischen Pyramiden, er einen Kampf gegen Neandertaler, eine Flucht vor den Ägyptern und einen Brand in einer römischen Therme überstanden hatte und bei den olympischen Spielen dabei gewesen war, planen die Freunde nun eine weitere Reise. Im 6. Teil von „Zurück in die Zeit“, erlebt Andreas nun ein aufregendes Abenteuer im Mittelalter…

„Und vergesst bitte nicht, die Hausaufgabe im Buch auf Seite 55 zu machen!“, ruft Frau Müller der bereits aus dem Klassenraum stürmenden Klasse, unter anderem auch Max und Andreas, zu. Andreas verleiert die Augen: „Na toll, schon wieder Hausaufgaben!“ „Allerdings über ein echt spannendes Thema: Das Mittelalter!“, entgegnet Max. Da kann Andreas nur zustimmen. „Ja, ich finde das Mittelalter auch extrem interessant, vor allem die Hexenprozesse…“ Die beiden verlassen das Schulgebäude und steigen in den Bus ein.

Danndoch sehr gelangweilt sitzt Andreas in der Höhle, sein Geschichtsbuch aufseinem Schoß. Die Hausaufgaben, die Frau Müller ihnen aufgegeben hatte, warenleider nicht so spannend, es war ein sehr langer Text zu lesen, der auch nochschwer zu verstehen war.  „Manno, ebenhabe ich noch behauptet, das Mittelalter sei interessant.“ Schelmisch blinzelndlässt sich Max auf einem kleinen Hocker direkt gegenüber von ihm nieder. „Aberweißt du was? Da wir jetzt mit der trockenen Theorie fertig sind, könnten wirdoch was viel Aufregenderes machen, falls du verstehst was ich meine.“ Maxdreht sich erst in Richtung Kamera, dann zur Zeitmaschine und schließlichzurück zu Andreas. Der hat verstanden, was Max damit ausdrücken wollte. „Also,falls du eine Zeitreise ins Mittelalter meinst, da bin ich dabei, allerdingsmöchte ich keinen Hexenprozess miterleben. Das war zu grausam und es ist zugefährlich, da hinein zu geraten. Das habe ich vor kurzem auf einer Burg imMuseum alles erfahren. Also Schluss mit der Theorie aus dem Geschichtsbuch.Lass uns das wahre Mittelalter erleben.“ Beide sind gespannt auf das neueAbenteuer und froh, dass die Langeweile ein Ende hat.

„Bereit, in das Mittelalter zu reisen?“ Andreas hat es sich in der Zeitmaschine bequem gemacht und die Kamera tief in seine Tasche gesteckt. Er hat ein Kostüm seines Bruders an, dass er, als er noch in Andreas´ Alter war, immer auf Mittelalterfesten getragen hat. „Ritter Andreas ist bereit!“ Max muss lachen: „So ein Unfug. Pass auf dich auf, im Mittelalter gab es viele Kriege und Kämpfe, war eine harte Zeit!“ Andreas grinst leicht: „Ich und Angst? Ich habe schon gegen Steinzeitmenschen gekämpft, bin vor Ägyptern geflohen, habe mich einem total aggressiven Mann gestellt, der behauptet hat, ich hätte seinen Sohn in Schwierigkeiten gebracht, habe die olympischen Spiele beobachtet und bin aus den Flammen einer brennenden, römischen Therme geflohen! Jetzt erzähl´ mir mal, dass ich Angsthätte!“. Max schüttelt den Kopf, grinst und stellt die Zeitmaschine auf das Jahr 1200 ein, eine Zeit, lange vor den von Andreas gefürchteten Hexenverfolgungen. „Na dann mal viel Glück, du Held!“

Blinzelnd öffnet Andreas seine Augen. Wie immer ist ihm noch ein wenig seltsam nach der Reise in die Vergangenheit. Doch etwas ist anders. Normalerweise blickte er immer gen Himmel, doch stattdessen sieht er über sich dunkle Balken. Er liegt auf einem Strohlager in einer Hütte. Er schaut sich um, es ist recht duster, vermutlich ist er in einem einfachen Bauernhaus. Sich wundernd richtet er sich auf und bemerkt, dass neben ihm eine Frau sitzt. Blonde Haare, kräftige Statur, ein etwas dreckiges langes Kleid und ohne Schuhe sitzt sie da. „Ähm…, wo bin ich?“, fragt er. Erst jetzt bekommt die Frau mit, dass er aufgewacht ist. „Oh, du bist wach! Leg´ dich am besten wieder hin, du warst eben noch ohne Besinnung.“ Andreas lehnt ab, denn es geht ihm eigentlich gut, jedoch möchte er zu gerne wissen, weshalb er hier ist und wer diese Frau ist. „Nun ja, ich wollte eigentlich nur meine Ernte vom Feld wegfahren, da sah ich dich am Flussufer liegen. Neben dir lag so eine eigenartige Holzkiste. Ich habe gedacht, dass dir etwas zugestoßen sei. Deshalb habe ich dich mitgenommen. Bist du vielleicht überfallen worden?“ Andreas Augen werden größer und größer. „Äh, nein, nein! …Aber was ist mit der Holzkiste?!“, fragt er aufgeregt. „Na, sie liegt noch da, ist das deine Kiste? Ich dachte, man könnte vielleicht eine Truhe daraus machen, wenn sie nicht mehr gebraucht würde. Aber sie wäre zu schwer gewesen, hatte ja mit dir genug zu tun, habe dich in mein Wägelchen gelegt, hat ganz schön geknarrt das alte Ding. Was hast du mit der Kiste vor?“ Andreas weiß gar nicht, was er jetzt sagen soll. Eigentlich ist es ja sehr nett, dass diese Frau ihn bei sich aufgenommen hat. Doch wenn er die Zeitmaschine nicht wiederbekommt, geht das böse aus und er muss für immer hierbleiben. „Also, danke erst mal, dass du dich um mich gekümmert hast. Aber kannst du mir sagen, wo genau du mich gefunden hast?“ Die Frau nickt. „Von hier aus geht man rechts den Weg entlang, dann über die Brücke, folgt dem Flussverlauf auf der linken Seite und in einer kleinen, sandigen Bucht habe ich dich gefunden!“ Andreas steht auf, bedankt sich bei der Frau, erklärt, dass er dringend wegmuss und schenkt der verdutzt dreinschauenden Frau zum Dank sein Taschenmesser. So was hat sie wohl noch nicht gesehen. Es tut ihm ein wenig leid, dass er ihr nichts weiteres erklären kann, aber er muss dringend seine Zeitmaschine finden.  Der Weg ist genauso, wie sie es beschrieben hat. Es gibt viele kleine Hüttchen am Wegesrand und auf einem Berg nicht weit von ihm, steht eine Burg. Der Bergfried, also der Hauptturm, thronte in der Mitte der Burganlage. Echt beeindruckend! Er zieht seine Kamera, die er glücklicherweise noch in seiner Tasche hatte und macht ein Foto. Danach über die Brücke und links dem Flussverlauf folgen… Nun kann er auch schon die Bucht sehen, die die Frau gemeint haben muss. Allerdings stehen dort einige Männer, welche die fragwürdig aussehende Zeitmaschine begutachten. „Was meint ihr? Also ich für meinen Teil habe noch nie eine mit solch kunterbunten Seilen bespannte Kiste gesehen. Was sind das da an der Seite für kleine Knöpfe? Das muss das Werk des Teufels sein!“ Mit den kunterbunten Seilen muss der Mann wohl die Kabel und mit den Knöpfen die Rädchen zum Einstellen gemeint haben. Sicherheitshalber versteckt sich Andreas im Gebüsch, da diese Männer nicht ganz so nett aussehen. „Also ich weiß ja nicht.“, meldet sich ein anderer zu Wort. „Bist du sicher, dass das ein Werk des Teufels ist? Falls ja, will ich damit nichts zu tun haben.“ „Unsinn, lasst uns dieses sonderbare Ding, was immer es auch ist, dem Burgherren verkaufen, er lässt bestimmt ein paar von seinen Silbermünzen springen. Ihr wisst doch, dass er allen möglichen Krimskrams gebrauchen kann. “ „Los, gehen wir dem reichen Sack die sonderbare Kiste zeigen. Wir sagen, wir haben sie vom fahrenden Gaukler, der vor 3 Tagen hier war.“, flüstert er den anderen zu. „Ja, sie kommt aus einem fernen Land, hi hi hi“, entgegnet ein anderer und reibt sich die Hände. „Wir teilen den Erlös dann einfach auf.“. Oh je, die Zeitmaschine ist in Gefahr, was soll Andreas jetzt tun? Wenn sie die Zeitmaschine mit in die Burg nehmen, kommt er nicht mehr nach Hause!  Er muss etwas unternehmen. Koste es was es wolle! Die Männer sind sich inzwischen einig, heben die Zeitmaschine an und laufen in Richtung Burg. Nun bekommt Andreas doch Angst, wenn er nur eine Idee hätte, was er machen kann, dass die Zeitmaschine nicht verschwindet oder kaputt gemacht wird! Die Männer sind viel stärker und vor allem in der Überzahl! Also hat er keine andere Wahl, als den Männern erst mal zu folgen, natürlich unauffällig, er möchte ja nicht, dass sie ihn sehen. Sie tragen die Zeitmaschine den Berg hinauf, obwohl Andreas gerade extrem nervös ist, schießt er schnell unauffällig ein Foto. Der riesige Turm, stabile Mauern und der Palas, in dem der Burgherr lebt, das war schon beeindruckend. Die Männer machen vor dem Torhaus halt, nachdem sie von einem Ritter aufgefordert wurden, stehen zu bleiben. „Was ist das? Was wollt ihr damit in der Burg?“, fragt er und schaut die Maschine mit einem skeptischen, kontrollierenden Blick an. „Wir wollen damit zum Burgherren, edler Mann.“, fängt der Anführer an zu reden. „Ich habe hier ein Meisterwerk außergewöhnlicher Handwerkskunst, an dem euer Herr sicher interessiert sein dürfte. Ihr kennt doch seine Vorliebe für außergewöhnliche Dinge.“  Der Ritter läuft mehrmals um die Zeitmaschine, öffnet und schließt die Tür und lässt die Männer passieren. Panik steigt in Andreas auf.  Irgendwie muss er in die Festung gelangen, sonst entwischen ihm die Männer! Während diese in die Burg spazieren, kommt ein Ritter auf einem Pferd aus der Burg geritten. Er trägt eine schwere Rüstung, hält ein glänzendes Schwert in der Hand und zum Glück schafft es Andreas wenigstens, unbemerkt ein Foto von diesem stattlichen Ritter zu machen. „Hey, du da!“ Der Ritter deutet auf ihn. „Wo warst du? Ich habe dich überall gesucht! Komm, Knappe!“ Andreas wundert sich. Denkt dieser Ritter wirklich, dass er sein Knappe wäre? Nun ja, immerhin kommt er so in die Burg. Er springt auf und folgt ihm. In der Burg sieht es wirklich genauso aus, wie in seiner Vorstellung: Brunnen, Kapelle, Türme, Palas und überall Zinnen und Schießscharten. Einige Mägde laufen mit Krügen über den Burghof, sicher kommen sie vom Weinkeller. Das Trinkwasser soll wohl damals nicht so sauber gewesen sein, deshalb trank man Wein und Bier, natürlich aber auch Milch und Säfte. An der Wand des Palas entdeckt Andreas ein Wappen mit einem Adler. Wieder gelingt es ihm, ein Foto zu machen. „Weißt du vielleicht, wo ich meinen Morgenstern hingelegt habe?“ Andreas traut sich gar nicht zu antworten. „Ähm… nein, mein Herr.“, bringt er raus. „Dann wirst du ihn suchen müssen, ich werde ihn beim nächsten Feldzug brauchen.“ Andreas nickt und trottet mit gesenktem Kopf neben dem Schimmel des Ritters her, er befürchtet, dass der Ritter seinen Irrtum bemerken könnte oder der richtige Knappe doch noch auftaucht. Der Ritter steigt ab und drückt Andreas die Zügel in die Hand. „Hier, bring ihn in den Stall. Ich gehe ein Nickerchen machen. Sieh zu, dass du meinen Morgenstern findest!“ Damit geht er. Wo ist denn jetzt der Stall? Und die Zeitmaschine muss er ja auch noch finden, bevor es zu spät ist. Zwei andere Kinder, welche auch Knappen sein müssten, führen Pferde. Andreas folgt ihnen und gelangt zum Stall. Dort bindet er das Pferd an. Jetzt muss er nur noch die Männer finden. Zum Glück, da sind sie! Sie standen die ganze Zeit im Eingang des Palas und haben darauf gewartet, vom Burgherren empfangen zu werden. Sie heben die Kiste an und folgen einem Ritter. Unbemerkt huscht er hinterher. Eine große Holztür öffnet sich vor den Männern. Sie treten ein und verneigen sich vor dem Burgherren. Bevor Andreas hinterher kann, fällt ihm jedoch die Tür vor der Nase zu. Was soll er tun? Die Tür geht einen Spalt breit auf und er muss sich verstecken, bevor er entdeckt wird. Schnell rennt er hinter einen Mauervorsprung und einige Ritter treten aus. Der eine flüstert leise: „Jetzt will er wieder irgendwelche Geschäfte machen und wir müssen gehen! Mich würde so sehr interessieren, was diese armen Bauersleute mit diesem Ding hier wollen!“ Wenn Andreas doch nur eine Idee hätte, was er tun könnte. Als die Luft rein ist, kriecht er hervor. Er wagt einen Blick durch das Schlüsselloch. Oh nein! Die Verkaufsverhandlungen sind in vollem Gange. Der Burgherr scheint interessiert zu sein. Nervös tritt Andreas von einem Bein auf das andere. Dabei fällt ihm sein Feuerzeug aus der Tasche. Feuer!!! Das hatte er doch schon mal wirklich erlebt und zum Glück überlebt. Wenn er mit Feuer eine Panik auslösen könnte…, natürlich darf es nicht wirklich schlimm brennen, Menschenleben möchte er nicht gefährden. Er sieht sich um und entdeckt einen Wandteppich. In der Ecke steht ein Krug, der Öl enthält, vermutlich Lampenöl. Es riecht eigenartig. Das könnte klappen… Hoffentlich kommen jetzt die Ritter nicht zurück. Er reist den Teppich von der Wand und zerrt ihn in die Nähe der Tür, gießt an mehrere Stellen etwas Lampenöl. Zitternd betätigt er das Feuerzeug und brennt den muffig riechenden Teppich an mehreren Stellen an. Sofort steigt beißender Rauch auf.  Andreas unterdrückt ein Husten, gleich hält er es nicht mehr aus. Er zieht den Teppich näher an die Tür und hofft, dass der Rauch unter der Türe hindurch dringt. Seine Augen brennen und tränen, er kann durch das Schlüsselloch nichts mehr erkennen, hört aber aufgeregte Stimmen im Inneren des Raumes. Wahrscheinlich haben sie es jetzt gerochen oder den Qualm schon gesehen. Das ist der richtige Zeitpunkt. Andreas schiebt den Teppich mit dem Fuß zur Seite, sein Hosenbein fängt dabei Feuer. Oh nein, nicht das auch noch! Er reist die Türe auf und schreit „Feuer, Feuer!!!“ Geschockt starren ihn alle an und rennen schreiend an ihm vorbei aus dem Raum. Einer der Bauern schnappt sich noch ein Gefäß und gießt den flüssigen Inhalt im Vorbeilaufen auf Andreas Bein. Oh, das war knapp! Nun breitet sich auch im Raum der Qualm aus und Andreas hört aufgeregte Stimmen. Vermutlich kommen jetzt die Ritter zurück, um das Feuer zu löschen oder nachzusehen, was hier los ist. Wenn sie ihn jetzt auch noch erwischen. Hustend läuft Andreas zur Zeitmaschine, da betritt auch schon sein Ritter den Raum. „Hey, Knappe, was hast du angestellt, warte, wenn ich dich erwische!“ Wütend kommt er mit schweren Schritten auf Andreas zu. Gerade noch rechtzeitig schafft er es, das Jahr 2018 einzustellen und schließt mit klopfendem Herzen direkt vor den Augen des Ritters die Tür. Wenige Sekunden später blickt ihn Max erschrocken an. Von Andreas Bein steigt noch Qualm auf und er sieht sehr mitgenommen aus. „Was hast du nun wieder angestellt, du kleiner Feuerteufel!“, sagt Max. „Ich erzähle dir alles, aber erst nach einem ordentlichen Schluck Wasser!“, keucht Andreas, „Und, und… du musst etwas an den Einstellungen der Maschine ändern, ich bin dieses Mal sogar ohnmächtig geworden, war wieder mal nicht ohne, der Ausflug“. Dann lassen sich die beiden auf das Sofa fallen und Andreas erzählt aufgeregt von seinem Ausflug ins Mittelalter.

Emilia Sophie Oßwald, Klasse 7c

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