Erlebnisse

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Biographie von Irmgard Harras (Auszug)

Einer Bekannten erzählte ich einiges von meinen Erlebnissen. Sie meinte, es wäre wie ein Film. Es ist wirklich wie ein Film, insbesondere die übernatürlichen Begegnungen. (Hollywood-reif?) Wer es nicht glaubt, möge es lesen.

Es ist nur eine Biographie, deshalb ungeschmückt. Einfach erzählt. Das Böse von Menschen, die mir nahe stehen, ließ ich weg, jedoch von mir nicht. Möge Gott mir verzeihen, da ich auch das Gute von mir erwähne. (Anmerkung des Autors: Sehen Sie bitte diese Teilbiographie als Geschichte an. Es ist eine Geschichte nur das sie wahrt ist. Seite 4 ist eine Botschaft an die Menschen, wichtig. I. Harras)

Eines Tages, es war das Jahr 2014, Erntedankfest. Da ich bereits verschiedene Engelbegegnungen aufweisen konnte, versuchte ich die Sichtung eines Engels. Ich wusste, bei Gottesdiensten sind sie anwesend. Auch sagte ich mir, der Altar ist sehr schön und reichlich mit Erntedankgaben geschmückt. Meine Freundin Inge saß neben mir. Jene von der ich bisher im Buch schrieb. Während die Gläubigen sangen, betete ich zu Jesus Christus, mir seine Christusengel zu zeigen, in dem ich zum Altar blickte. Nichts geschah. Ich gab nicht auf, betete weiter. Aus dem Augenwinkel sah ich gegenüber links von mir eine große Gestalt. Ich schaute genauer hin. Eine durchsichtige Erscheinung stand vor der ersten Bankreihe, ca. 2 m groß. Dieser Engel war mit einem hellgrauen Gewand bis über die Füße bekleidet. Dunkel Haare schmückten sein Haupt. Segnend bewegte er seine Arme über die anwesenden Christen. Sein helles Gesicht ist schlecht zu beschreiben, denn ich sah ihn nur schräg seitlich. Natürlich beobachtete ich diesen leicht über dem Boden schwebenden Engel, bis er vor meinen Augen verschwand. Ich genieße es, wenn sich ein Teil vom Christus-Himmel mir offenbart. Hier war es ein Engel, ein halbes Jahr später sollte es noch herrlicher sein.

Ein halbes Jahr später 2015. Kniend betete ich zu Hause auf dem Sofa zu Gott Vater im Namen von Jesus Christus um Vergebung für meine Schwester und Cousine für ihre Sünden, die sie in jungen Jahren begangen hatten. Ich betete lange für sie, dabei schaute ich durchs Fenster gen Himmel. In jenem Moment erschall eine tiefe Stimme aus dem Himmel, wie tönendes Erz und sprach wortwörtlich zu mir: „Ich habe meinen Sohn gegeben, um die Menschen zu retten!“ (Anmerkung des Autors: Botschaft von Gott.) Diese sehr laute Stimme erschrak mich so sehr, dass mein Herz erbete. Nur Einer konnte so reden, Gott selbst. Denn nur Er opferte seinen Sohn Jesus Christus für uns Menschen, damit sie einst in die Ewige Seligkeit eingehen können, vor dem Bösen bewahrt werden. (Manche Menschen werden sagen, dies hat sie sich eingebildet.) Eine sehr laute Stimme, die die Ohren schmerzen ließen, kann man sich nicht einbilden. Ich verwunderte mich sehr, dass Gott mich auserwählt und verkündete es weiter an meine Cousine sowie Schwester und andere Menschen. (Bestätigung der Bibel – Neues Testament)

Was Gott sprach, heißt nicht’s anderes, zu Christus zu finden. (Joel 3,1 und Apostelgeschichte 2,17).

Als ich 2016 auf einem Poster veröffentlichte, was Gott zu mir Anfang 2015 sehr laut zu mir sprach, (es ist meine Pflicht) stießen sich manche Menschen daran. Ich schrieb noch: „Laßt euch durch Christus retten.“ Der Name „Jesus“ ging nicht mehr hin. Zu Hause schlug ich das „Neue Testament“ auf. Gottes Antwort an mich war: 1. Korinther 1, 18-31. Die Antwort passte auf die an Gott zweifelnden Menschen. Ich hatte diese Antwort nicht gesucht, die Seite öffnete sich vor meinen Augen.

Meine Erscheinungen sind keine Halluzinationen. Halluzinationen erscheinen vor einem und nicht links oder rechts von einem. Die Engel bzw. Erscheinungen sind also real, da sie links und rechts von mir erscheinen, (Keine Spinnerei) von Gott gesandt. Zu sehen durch die Gabe Gottes. Oder die Zyrbeldrüse vorne am Gehirn wird aktiviert. Oder durch das Gottesgen, oberhalb der Zyrbeldrüse? (siehe N-TV Fernsehen). Das Gottesgen wird aktiviert, wenn Christen beten. Oder durch Nahtoderfahrungen (Siehe Buch „Erkundung der Ewigkeit von J. Steve Miller, Seite 372, Anhang 6, Nr. 9) Oder alles zusammen bewirkt die Gabe Gottes. Engel nicht rufen. Denn nicht alle Engel kommen von Gott, deshalb rede ich nicht mit Ihnen. (Vorsicht)

Ich hatte mit 14 eine fast Nahtoderfahrung. Ich war auf dem Weg ins Jenseits. Man holte mich zurück. Dies reichte, später mit 51 Jahren, um Erfahrungen zu machen. (Siehe „Marie und das Fräulein von der Brandenburg“) I. Harras

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Was wir vor 30 Jahren erlebten

Vor dreißig Jahren, so lange her,
hieß unser Teil Deutschlands DDR.
Die Kinder waren fünf und acht
und haben uns viel Spaß gemacht.

Wir wohnten schön im Block am Wald,
ich machte meinen Meister bald,
neben der Arbeit im Kosmetiksalon,
manchmal träumte ich nachts davon.

Roland war ein Diplomingenieur
und konstruierte Maschinen, das war manchmal schwer,
denn oft war geeignetes Material nicht vorhanden,
doch die pfiffigen Ingenieure etwas erfanden.

Viele Kinder gab es im Ort,
Kindergärten, Schule und Hort,
zum Spielen fanden sie schöne Stellen,
den Molcheteich liebten die kleinen Gesellen.

Der Sommerurlaub war ein besonderer Hit,
wir nahmen Oma Christine mit,
denn Opa Gerhard lebte nicht mehr,
und allein zu verreisen, fiel ihr recht schwer.

In die Hohe Tatra sind wir geflogen,
wo wir Omas Stammquartier bezogen.
Solch weite Reise war für uns nicht normal
und die Kinder flogen zum 1. Mal.

Mit tschechischem Geld mussten wir sparsam sein,
die Umtauschmengen waren für uns ziemlich klein,
doch wir haben hohe Berge erklommen
und immer ein leckeres Süppchen bekommen.

Am Abend in unserem Ferienzimmer
sahen wir die Nachrichten immer.
Viele Menschen wollten die DDR verlassen
und wurden in die Prager Botschaft gelassen.

In den Westteil Deutschlands durfte man nicht einfach fahren,
die Grenzen waren zu, da konnte man noch so viel sparen.
Es gab auch noch ein paar andere Sachen,
um einem das Leben verdrießlich zu machen.

Wenn man zum Beispiel sagte, was man dachte,
war es möglich, daß einen ins Gefängnis dies brachte.
Wirtschaft und Umweltschutz waren ziemlich platt,
viele Dinge man nicht bekommen hat.

Doch im Herbst ’89 war es so weit,
viele Leute waren zum Protest bereit,
auf Straßen und Plätzen, im Kirchenraum
mit Liedern und Kerzen, statt zuzuhaun!

Auch aus Polen und der Sowjetunion
hörten wir manch neuen Ton.
Den Polen machte Solidarnosc Mut,
der Sowjetunion tat Herr Gorbatschow gut.

Wir zwei haben abwechselnd demonstriert,
das war heikel, weil man nicht wusste, was passiert,
ob Polizei und Armee uns gewähren ließen,
oder ob sie, wie in China, gleich auf uns schießen.

Der Druck auf die Regierung wurde schließlich so groß,
daß sie plötzlich Mauer und Grenzen aufschloss.
Es war zum Glück kein Schuss gefallen
und neue Zeiten blühten uns allen.

Wir waren begeistert und voller Freude,
es umarmten sich stockfremde Leute.
Wir hatten eine aufregende spannende Zeit,
die ganze Welt stand uns jetzt bereit.

Wir durften frei wählen und nicht nur zum Schein,
Demokratie zu gestalten, lud das Leben jetzt ein,
natürlich gab es auch schwierige Sachen,
Betriebe schlossen, das war nicht zum Lachen.

Auch Rolands Arbeitsstelle fiel weg,
er suchte sich einen neuen Zweck.
Jetzt rechnet er auch, nur im Kirchenamt,
wo eine neue Arbeit sich fand.

Uns geht es wirklich richtig gut,
doch manche Menschen haben Wut.
Wir sind so froh, in einem Rechtsstaat zu sein,
wo man frei lebt wie ein Waldvögelein.

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Aus der Schule geplaudert…

In meiner Schulzeit gab es viele Ereignisse, an die ich gern zurückdenke. An eine Lehrerin erinnere ich mich besonders und möchte ihr mit dieser Geschichte ein Andenken setzen.

Fräulein Köllner war Deutschlehrerin, sie war damals schon ein „altes Fräulein“. Mit Leidenschaft versuchte sie, uns Kindern die Deutsche Sprache näher zu bringen. Viel Geduld brachte sie auf, wenn Schüler in der Lesestunde die Sätze nicht fließend lesen konnten, doch sie hatte Erfolg. Im Fach Deutsch gab es auch die Unterrichtsstunde „Schönschrift“. Wir durften uns einen Text aussuchen, diesen in unser Heft übertragen und das Geschriebene verzieren, zum Beispiel mit Blumenranken. Schriftbild und Umrahmung waren eine Einheit und wir prägten uns die Worte besser ein. Fräulein Köllner regte auch unsere Phantasie an, Gedichte zu verfassen und diese Vierzeiler vorzutragen.

Zum Deutschunterricht gehörte ebenso das Schreiben von Diktaten, für meinen Mitschüler Siegfried ein Greul. Fünfunddreißig Fehler waren Standard. Er hatte eine Rechtschreibschwäche, was damals aber nicht erkannt wurde. Fräulein Köllner war am Verzweifeln. Sie wollte helfen und bestimmte einige Schüler, die mit Siegfried nach dem Unterricht übten. Langsam stellte sich eine Verbesserung ein. In den nächsten Diktaten machte Siegfried nicht mehr fünfunddreißig, sondern nur noch fünfzehn Fehler, trotzdem war die Benotung eine „Fünf“. Sie stand in der Klasse und lobte Siegfried! Die „Fünf“ musste sie geben, aber für seine Mühe bekam er in den Kopfnoten „Fleiß“ und „Mitarbeit“ jeweils eine „Eins“ eingetragen. Wir freuten uns über diese Belobigung. Siegfried schaffte die „Achte Klasse“ und begann eine Lehre in der Landwirtschaft. Leider gibt es diese Kopfnoten, ein gutes Mittel, die Lernwilligkeit zu belohnen, heute nicht mehr.

Unser erstes Klassentreffen wurde nach fünfundzwanzig Jahren organisiert. Mich hatte es von Brandenburg nach Thüringen verschlagen, dadurch hatte ich fast keine Kontakte mehr. Die Einladung erhielten auch einige Lehrer, Fräulein Köllner war dabei. Nacheinander berichtete jeder über Familie, Beruf und Hobbys. Ich staunte, als Siegfried an die Reihe kam. Er hatte einen Fuhrbetrieb aufgebaut. Scherzhafter Weise sagte er, dass er sich nun eine Sekretärin leisten kann, denn „das Schriftliche liegt mir ja nicht so…!“  Wir lachten, denn wir kannten seine „Schwäche“.

Fräulein Köllner hörte aufmerksam zu, sie war sehr glücklich. Hatte sich doch ihre Mühe und ihre Liebe zum Lehrerberuf gelohnt!

Hannelore Saalfeld

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Der Birnbaum

Auf einer Wanderung mit Vereinsfreunden besuchten wir den Hainich. Es war ein schöner sonniger Tag, der uns nach Hütscheroda führte, wo auch die Wanderung begann. Bunt hatte sich das Laub an den Bäumen gefärbt. Diese Farbenpracht war Balsam für die Seele. Wir fanden Zeit, uns zu unterhalten und manches Problem wurde mit jedem Wanderschritt leichter. Nachmittags, am Skulpturenweg angekommen, schien die Sonne mit aller Kraft. Unter einem der alten verwilderten Birnbäume war es auszuhalten, denn er warf genügend Schatten. Die Verschnaufpause tat gut und ein Blick in die dicht belaubte Baumkrone zeigte viele kleine Früchte, von Insekten umschwärmt. Es war ein Summen und Brummen. Die Melodie wurde durch das Windspiel der Blätter ergänzt. Da ergriff unsere Wanderfreundin Erika das Wort. Sie zog aus der Tasche ein Blatt Papier hervor.

Sie, schon Mitte Siebzig, aus dem Havelland stammend, begann, uns die Ballade von Theodor Fontane „Herr Ribbeck auf Ribbeck im Havelland … “ vorzutragen. Wir staunten, denn das Gedicht von dem edlen Birnenspender kannte wohl jeder. Es passte genau zu unserer Wanderpause unter dem Birnbaum. Wir klatschten Beifall und Erika freute sich. Danach wurden die Wildbirnen verkostet und alle waren überrascht, weil diese vorzüglich schmeckten!

Leider stellte sich einige Monate später heraus, dass Erika fortschreitende Demenz hatte. Ein Schock, sie musste ins Pflegeheim.

Ein Familienausflug in diesem Frühjahr führte uns ins Brandenburgische nach Ribbeck. Das Dorf präsentiert sich als netter kleiner Ort mit landestypischen Wohn- und Gasthäusern, Bauernläden, einer Dorfkirche und dem Schloss, alles rund um den Marktplatz angeordnet. In der Dorfkirche besuchten wir die Fontane-Ausstellung, bewunderten den Stumpf des alten originalen Birnbaums, den Freiherr von Ribbeck gepflanzt haben soll und auch den neu gepflanzten Birnbaum im Garten an der Kirche. Es war eine wunderbare Reise in die Geschichte.

Wieder zu Hause kreisten meine Gedanken um das Erlebte und um Erika. Das muss ich ihr erzählen! Ich besuchte sie im Pflegeheim und, obwohl sie geistig abwesend schien, zeigte ich ihr die Postkarte mit dem berühmten Birnbaum und dem Gedicht. Leise las ich die ersten Zeilen und dann, leise aber deutlich, stimmte Erika ein und gemeinsam beendeten wir die Ballade. Das war Musik in meinen Ohren! Mit einem glücklichen Lächeln drückte sie meine Hand.

Hannelore Saalfeld

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Abschied vom Garten

Ein letzter klarer Sonnenstrahl wärmt heute meine Glieder,
der Herbst färbt Blätter überall, sie fallen tanzend nieder.

Ich sitz vor meinem Gartenhaus und denk noch nicht an morgen.
Wie sieht die Welt so friedlich aus, ganz frei von allen Sorgen!

Am Himmel zieht ein Vogelpaar hoch oben seine Kreise.
Es macht sich bald wie jedes Jahr auf eine lange Reise.

Ein Mäuslein sucht im nahen Busch nach Nüssen und nach Kernen,
dass man jetzt Vorrat schaffen muss, muss jedes Mäuschen lernen.

Mein Blumenbeet – einst bunt und schön – es hat schon große Lücken.
Ich werde vorm nach-Hause-gehn die letzten Blumen pflücken.

Die Uhr schlägt fünf, nun wird es Zeit, den Garten zu verlassen,
bald macht sich Dunkelheit schon breit auf Wegen und in Gassen.

Ich bring die Blumen nun ins Haus, auf einmal wird mir klar,
dass noch kein zweiter Blumenstrauß so schön wie dieser war.

Das klingt doch irgendwie altmodisch oder zu poetisch für die heutige Zeit, oder? Aber wenn man einmal innehält und sich als Teil dieser wunderschönen Natur begreift, kann man seinen Gedanken Flügel wachsen lassen.

Ich schrieb die Verse 2017 an einem wunderschönen sonnigen Herbsttag auf der Bank vor unserem Gartenhäuschen und ahnte noch nicht, dass der Abschied vom Sommer auch der vom Garten werden sollte…

Als ich neulich das Gedicht wieder in den Händen hielt, wurde mir bewusst, dass ich über Jahrzehnte mit diesem kleinen Fleckchen Natur buchstäblich verwurzelt war.

Als kleines Mädchen besuchte ich in den 1960iger Jahren öfter mit meinen Eltern meinen Opa, der in einer Bauhaussiedlung wohnte. Jede Wohnung hatte schon eine eigene moderne Toilette mit Spülung und sogar einen Balkon, wo man im Sommer draußen sitzen konnte. Der Hinterausgang führte direkt hinauf zum Wald. Rechts vom Aufgang gab es einen gemeinsamen Wäscheplatz und links für jeden Mieter noch einen kleinen Streifen Land für ein Beet, einen Platz für Brennholz oder einen Kaninchenstall. Viele Menschen lebten in der Siedlung und da waren auch jede Menge Kinder zum Spielen. Die meiste Zeit verbrachte man als Kind ja draußen und da war immer etwas los. Doch was mich genauso begeisterte, war Opas schöner Garten, nur einige Meter vom Haus entfernt. Oftmals saß ich auf der kleinen selbst gebauten Bank inmitten von Astern, Löwenmäulchen und Dahlien und wartete, bis Opa noch etwas selbst gepflücktes Obst oder ein paar Möhren oder Radieschen in einer Tüte verstaut hatte. Davon wurde auf dem Heimweg gleich gekostet.

Anfang der 1970ger Jahre zog ich mit meinen Eltern in genau diese Wohnanlage. Nun gehörten die Kinder, der Spielplatz, die Gärten und der nahe Wald zu meinem direkten Umfeld. Täglich ging es nach der Schule hinaus, denn da war immer etwas los. Oft ging es zum Spielen in den Wald.

Aus Moos und Ästen bauten wir geheime Verstecke. Auf dem Spielplatz spielten wir Völkerball, Hüpfkästchen, Gummitwist, Versteckspiele und vieles mehr. Roller, Fahrrad oder Puppenwagen waren immer mit von der Partie. Und weil man nichts versäumen wollte, wurde das Abendbrot ganz nebenbei draußen verzehrt. Auch im Winter traf man sich draußen zur Schneeballschlacht oder wir bauten eine Schneeburg, so groß, dass möglichst viele Kinder hinein passten.

Opas Garten geriet ein klein wenig in Vergessenheit für mich. Für ihn war er ein Kleinod und nach der Arbeit sein Lebensmittelpunkt. Wie stolz war er über jede Blume, die unter seiner Pflege gedieh. Mühselig versorgte er seine Schützlinge mit Wasser, was ja nicht so einfach war. Im Garten selbst gab es keine Wasserstelle. Doch zirka 200 Meter entfernt war ein kleiner Brunnen, den ein Bächlein aus dem Wald speiste. Der Weg bis dorthin war steil und beschwerlich. Wie sich Opa mühte mit Eimern und Kannen hatte ich damals nur nebenbei wahrgenommen…

Nach der Schulzeit verließ ich Ruhla für drei Jahre. Doch nach meinem Studium in Leipzig stand für mich fest, dass ich eigentlich nur in Ruhla leben wollte.

Bald wurde eine Familie gegründet. Es herrschte damals Wohnungsnot und wir waren froh, dass wir mit unserem kleinen Töchterchen eine Wohnung im Nachbareingang ergattern konnten. Ein Jahr später war mit der Geburt unseres Sohnes die Familie komplett. Mein Mann hatte schon vor der Hochzeit ein paar Quadratmeter Land pachten können, auf dem wir ein paar Hühner hielten. Dieses kleine Stückchen Erde wurde von uns oft aufgesucht. Außerhalb des Hühnerauslaufes war unter einem stattlichen Mirabellenbaum ein kleines Stückchen ebene Wiesenfläche. Dort fand sich Platz für eine Gartenbank und einen Sandkasten für unsere beiden Kinder, alles Marke Eigenbau. Wenn es im Sommer schön warm war, wurde ein Planschbecken für die Kinder aufgeblasen. Damit sie auch darin baden konnten, transportierten wir das Wasser eimerweise aus unserer Wohnung im vierten Stock über den Spielplatz dorthin. Wir haben auf diesen paar Quadratmetern schöne Sommertage verbracht. Langweilig war es nie.

Oma war auch oft mit von der Partie. Auch sie genoss die Stunden im Grünen und freute sich, den Enkelkindern beim Spielen zusehen zu können. Für die Kinder, die nun langsam größer wurden, war auch der Spielplatz ganz nah und wir konnten sie unbesorgt ziehen lassen.

In den 1980ger Jahren hatten wir die Möglichkeit, einige Meter entfernt ein kleines Hanggrundstück zu pachten, gleich neben dem Garten von meinem Opa, der bereits seit einigen Jahren verstorben war. Erst hieß es, Ordnung zu schaffen. Es hatte sich im Laufe der Jahre dort allerhand Unrat angesammelt. Das Gelände war sehr steil, aber es gelang uns, einen ebenen Platz zu schaffen der groß genug war, um ordentliche Gartenmöbel aufstellen zu können. Oberhalb des Platzes auf der Wiese war ein riesiger Blaubeerfleck, den die Kinder im Sommer plündern konnten. Und für unseren Familienhund gab es dort viel Auslauf.

Als die Wende kam konnten wir so einiges verändern. Die Ausstattung an Gartenmöbeln wurde komfortabler, man konnte sich ja nun jeden Wunsch erfüllen, wenn man das nötige Kleingeld dazu hatte. So kamen Grill und Partyzelt hinzu, ein Indianerzelt für die Kinder und dann auch mal ein. kleines Hauszelt, wo wir ab und zu ein Wochenende verbrachten. An schönen Wochenenden ging es mit Kaffeekanne und Kuchen immer hierher.

Nun hatte es sich ergeben, dass ein weiteres Grundstück von seinen Inhabern nicht mehr genutzt wurde. Dieses lag genau zwischen dem neuen und dem alten und dort stand auch noch ein Gartenhäuschen, welches wir erwerben konnten. So kamen wir zusätzlich zu einer Campingtoilette und Gerätehaus, Beeten und viel Grünfläche zum Pflegen. Ein Teil davon war das kleine Stückchen Berghang, wo mein Opa damals seine Beete hatte. Weil nun viel mehr Arbeit für die Pflege des Geländes auf uns wartete, wurde neben Geräten für die Blumen-, Rasen- und Heckenpflege ein zweites Gerätehaus angeschafft.

Nach der Jahrtausendwende wurde die Bauhaussiedlung umfassend saniert. Viele Familien zogen damals aus, um den Baumaßnahmen zu entgehen. Da einige Jahre zuvor eine schwere Erkrankung meine Selbstständigkeit sehr eingeschränkt hatte, beschlossen wir zu bleiben. Wir hatten ja auch noch den Garten, wo man dem Baulärm mal entrinnen konnte. Unsere Kinder waren schon aus dem Haus und für uns war das eine gute Lösung. Gleich morgens, als der Baulärm begann, ging es hinaus und am Abend erst wieder zurück. Nun konnte ja alles nur noch besser werden. Der Garten wurde damals zu unserem Lebensmittelpunkt. Es hatte auch an Arbeit nie gefehlt. Schließlich war ein großes Areal in Ordnung zu halten: Rasen mähen, Hecken schneiden, Zäune reparieren, Wege säubern, Stufen erneuern, Stützmauern bauen und ausbessern- und das nicht nur im, sondern auch außerhalb des Geländes. Da war ja niemand, mit dem man die Arbeit hätte teilen können. Die meiste Arbeit blieb also für meinen Mann. Doch auch ich konnte mich nach und nach mehr daran beteiligen. Die Natur war ohnehin der beste Therapeut, das war mir klar. Ich war dankbar dafür, mich dort ohne jeglichen Druck betätigen zu können.

Inzwischen hatte sich auch die Familie vergrößert, wir wurden Großeltern. Für unsere Enkel gab es in unserem Garten viele schöne Erlebnisse in freier Natur. Oftmals traf sich die ganze Familie zu einem gemütlichen Grillnachmittag.

In der neu sanierten Siedlung indes hatte sich viel verändert. Doch eine Hausgemeinschaft wie früher gab es nicht mehr und wir wurden immer mehr zu Fremden in der uns früher so vertrauten Umgebung. Wir planten den Umzug und packten eines Tages all unsere Sachen. Den Garten wollten wir weiterhin pflegen, wenn nun auch ein ganzes Stück Weg dazwischen lag. Zu sehr hing unser Herz daran.

In den kommenden Jahren suchten wir im Sommer so oft es ging den Garten auf. Es wartete dort immer eine Menge Arbeit auf uns. Natürlich gönnten wir uns auch das eine oder andere Stündchen zum Ausruhen. Doch dann kam ja auch immer noch der Heimweg.

Mit der Zeit fiel es uns immer schwerer das alles zu schaffen und wir mussten uns schweren Herzens von dem Kleinod trennen. Zum Glück fand sich eine junge Familie, die den Garten weiterführen wollte. Uns bleiben die Erinnerungen. Diese sind genau so fest im Herzen verwurzelt wie einst die Blumen und Sträucher im Garten. Immerhin hatten in den rund 60 Jahren fünf Generationen viele schöne Erlebnisse auf diesem kleinen Fleckchen Erde.

Ich brachte die Blumen damals ins Haus, bis heute ist mir klar, dass dieser letzte bunte Strauß der allerschönste war.

Petra B.

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